Sternabert

Sternabert

Freitag, 23. August 2013

August - mein Monat der Teichwasserläufer (Tringa stagnatilis)...

Das ist interessant! Ende Juli, Anfang August, hab´ ich schon desöfteren daran gedacht, endlich mal wieder einen TWL im Havelland auf der Rast von seinem Flug ins Winterquartier dingfest zu machen. TWL legen auf dem Zug zumeist recht große Distanzen zurück, ohne viele Pausen einzulegen und kommen ohnehin nur selten in unseren Breiten durch. Wer konnte damit rechnen, dass in diesem Jahr scheinbar gleich drei verschiedene Vögel die nähere Umgebung des Gülper Sees für einen Zwischenstop nutzen würden. Den Anfang machte der adulte/vorjährige Vogel am 05.08. am Bärengraben, nordöstlich des Sees gelegen.
Schön zu erkennen, die frischen grauen Rückenfedern mit ihren hellen, sauberen Rändern. Adulte TWL können mit der Brutmauser schon im Juli beginnen, sodass einzelne gegen Mitte August bereits komplett das Kleingefieder ersetzt haben. Unser Vogel sollte dann am 5. August aber zumindest noch einige wenige gezeichnete Prachtkleidfedern im Rückengefieder oder an den Flanken tragen. Dem ist aber nicht so und van Duivenijk schreibt im "Advanced Bird ID Guide": 1st summer: ...other ind in mainly winter plumage... Folglich könnten wir es hier mit einem in der Mauser sehr weit fortgeschrittenen adulten, oder eben auch mit einem jungen Erwachsenen aus dem Vorjahr zu tun haben. Die neuen Handschwingen werden zum Abschluss der Vollmausererst im November oder gar im Dezember erneuert. Die alten des abgebildeten Vogels sind schon etwas verblichen, bräunlich. Zehn Tage später dann, wie berichtet, an gleicher Stelle jenes diesjährige Tier, im kompletten Jugendkleid, mit dunkel zentrierten, hell gerandeten Deckfedern.
Das heißt, wenn man genau hinschaut, sind auf den Schultern schon einige Mauserlücken zu erkennen. Junge TWL durchlaufen eine Teilmauser um ihr erstes Wintekleid anzulegen. Dabei werden zumeist die Schulterdecken, einige Flügeldecken und das Körpergefieder vermausert. Auch die Stoßfedern werden teilweise erneuert. Dies aber nur am Rande. An die Stelle der abgeworfenen Jugendkleidfedern treten nun graue, hell gesäumte Federn der zweiten Generation, die denen des adulten Schlichtkleides sehr ähnlich sehen. Als Anschaung dazu  nun der dritte im Bunde vom 20.08. aus dem Pareyer Luch, der in der Mauser ins erste Winterkleid, schon vergleichsweise recht weit fortgeschritten ist.
Er trägt an Hinterkopf, Nacken und Brustseiten schon Federn der zweiten Generation und auch ein teilweise grauer Mantel, sowie ein schon graues Schulterband, heben sich vom ansonsten eher dunkel wirkenden Jugendkleid auf der Oberseite ab. Die Handschwingen sind mit ihrer satten, dunklen Färbung bei den diesjährigen jeweils noch als frisch zu erkennen. So kann ich als Resümee zusammenfassen, dass sich, im August 2013, 3 verschiedene TWL, eindeutig differenziert nach Gefiedermerkmalen, in der unteren Havelniederung aufhielten und meine anfangs hoffnungsvollen Gedanken in Realität mehr als übertrafen. Zum Schluss noch eine Kollage mit allen dreien auf einen Blick.
Ein junger Zwergstrandläufer und 2 Temminckstandläufer erweiterten am 20.08. noch die diesjährige Augustliste in puncto Spätsommerdurchzug von Strandläufern im Havelland. Ausserdem kam an diesem Tag am Turm im Pareyer Luch eine Rohrdommel zehn Meter entfernt an mir vorbeigeflogen, um dann unauffindbar, unweit in einem kleinen Röhrichtbestand zu verschwinden. Ich verschwinde jetzt auch mal und sage Tschüß und bis bald...

Donnerstag, 15. August 2013

Déjà-vu am Bäerengraben...

Hallo ins Land,

zwei freie Tage - nix wie raus! Am Gülpi direkt und im Pareyer Luch, halten sich zur Zeit die Sommer-Rastverbände der Graugänse auf. Am See waren es am 14.08. geschätzte 6700, mittenmang, am Spülsaum, auch eine adulte Blessgans. Im Luch flogen, aufgescheucht durch den brandenburger König der Lüfte, nochmal ca. 1300 Individuen, sich lauthals bemerkbar machend, umher.
In den Wiesen, zwischen Parey und Wolsier, tummeln sich weiterhin über 2300 Gründelenten. Zusätzlich sind noch diverse Gräben besetzt. Eine Gesamtzahl zu erheben, überlasse ich anderen. Auffällig, und für die grobe Orientierung nützlich, waren die vielen, unterschiedlich großen, leuchtend weißen Flügelspiegel der aufgeschreckten Enten in der Luft, was darauf hindeutet, dass überwiegend Schnatter- und Pfeifenten anwesend sind. Die kleinen Schwimmenten werden von der Krickente dominiert. Man kann hier momentan alle "Anas"-Arten beobachten, wie schon im vorhergehenden Post bemerkt. Auch bei den Limikolen hat sich nicht viel verändert, im Vergleich zur Situation in der letzten Woche. Die großen Distanzen, im Zusammenspiel mit der üppigen Vegetation und der ungünstigerweise oft flirrenden Luft, schmälern allerdings etwas den Beobachtugsgenuss. Also kurzerhand rüber zu den Blänken am Bärengraben. Gegen 15:00 Uhr dort angekommen erfolgte, zeitlich etwas versetzt, aber ansonsten genau wie beim letzten mal, umgehend die akustische Begrüßung durch den auffliegenden Teichwasserläufer, den ich schnell wieder aus den Augen verlor. Auch ein adulter Kiebitzregenpfeifer im Prachtkleid kam rufend an mir vorbei. Nach einer kleinen Siesta, während einiger Regenschauer, gestalteten sich die Bedingungen am Bärengraben ab ca. 17:00 Uhr dann optimal und wuchsen gegen Abend ins Perfekte aus. Schönes Licht von hinten, erhöhte Position auf dem Hochwasserschutzdeich, relativ spärliche Vegetation in der überstauten Fläche und ´ne Menge Wassergeflügel. Hier rasten überwiegend Löffel-, Stock- und Krickenten. Der Teichwasserläufer ließ sich nach meinem Schläfchen nicht lange bitten.
Diesmal gab es hier, neben 4 Sichelstrandläufern und einem Alipi, auch eine dritte Strandläuferart zu beobachten - einen Sanderling. Alles jeweils adulte Vögel. Den Sanderling konnte ich, ob der kurzen Beobachtungsdauer, leider nicht fotografisch verhaften. Ebensowenig den prächtigen Alpenstrandläufer, denn die beiden flogen nach kurzer Landung, zusammen mit Bruchwasserläufern, gen Süd-West über den See ab. Von den Sichlern gelang mir nur dieses mäßige Bild.
Doch was war das? Zwischen ruhenden Enten stand plötzlich ein sehr heller Wasserläufer. Grünschenkel können sehr hell sein, für einen solchen schien er aber neben den Enten doch reichlich zierlich. Beim Draufschwenken erkannte ich recht schnell, dass noch ein zweiter Teichwasserläufer anwesend war. Der Vogel trägt, im Gegensatz zu meinem "Déjà-vu-Vogel", das Jugendkleid, ist daher Oberseits dunkler als der  im grau-weißen Schlichtkleid, mit kontrastierend heller Federsäumug und bräunlicher Kopfplatte.
Komischerweise konnte ich praktisch keine Interaktion der beiden Vögel beobachten, wenn man von einzelnen Rufen einmal absieht, die zuweilen beim Auffliegen zu hören waren. Rotschenkel, Wald- und Bruchwasseläufer posierten für ein Vergleichsbild. Ein zweites, auf dem man recht gut sowohl die strukturellen, als auch die gefiederspezifischen Unterschiede zwischen Wald und Bruch erkennen kann. Etwas expositioniert saß ein Flussuferläufer. Besonders passend und schön auf diesem Bild, finde ich die zarten Grün- und Rosatöne im oberen Randbereich.
Abends entdeckte ich noch 2 kreisende, adulte Schwarzstörche am Himmel. Kurz vor Sonnenuntergang kamen dann 34 Große Brachvögel übergeflogen und ihr klagendes Jodeln hallte in den Abend. Wo sie die Nacht verbrachten, kann ich nicht sagen. Ich, für meinen Teil, hab´ gut geschlafen und konnte mich am frühen Vormittag auch noch beim Käffchen von Teichwasseläufer und co. verabschieden. Den Abschiedsgruß für diesen Bericht überlasse ich den beiden...
Tschö...

Donnerstag, 8. August 2013

Teichwasserläufer am Bärengraben...

Hallo Leute,

ich hatte schon in der letzten Woche immer wieder mal an ihn gedacht. Am Montagmorgen flog er dann gegen 7:30 Uhr rufend und in kurzer Distanz an mir vorbei, als ich an zwei vernässten Ackerflächen am Bärengraben, nordöstlich des Gülper Sees, nach Limikolen schauen wollte. Es folgte eine längere Nachsuche, bis ich ihn endlich, offen im Wasser stehend, wiederfand und wunderbar beobachten konnte. Ein mutmaßlich vorjähriger, oder aber adulter Teichwasserläufer (Tringa stagnatilis) im schlichten Federkleid - filigran und anmutig.
Während ich das Areal observierte, entdeckte ich noch eine vorjährige Zwergmöwe (Hydrocoloeus minutus). Auch diese kleinste aller Möwen weltweit hinterlässt einen sehr grazilen Eindruck und passte beim besten Morgenlicht schön in die Szene. Dass sie ihr 1. Sommerkleid trägt, erkennt man an den ausgeblichenen dunklen Schirmfedern und Großen Armdecken, den schwarzen Spitzen der alten äußeren Schwanzfedern und dem noch dunkel durchscheinenden Flügelbug.
Um das Trio der leuchtend hellen Grazien vollständig zu machen, kann ich hier noch den immaturen Seidenreiher (Egretta garzetta) anfügen, der sich zu den beiden adulten, die sich schon seit letzer Woche direkt am Gülper See aufhalten, dazugesellt hat. Hier ist für die Altersbestimmung der fehlende Schopf und die partielle, rosa überhauchte Hellfärbung des Schnabels heranzuziehen.
In den umliegenden feuchten Flächen halten sich viele Kiebitze (Vanellus vanellus), Bekassinen (Gallinago gallinago), Bruchwasserläufer (Tringa glareola), Kampfläufer (Philomachus pugnax), Dunkelwasserläufer (Tringa erythropus), einige Große Brachvögel (Numenius arquata), 2-4 Uferschnepfen (Limosa limosa), Waldwasserläufer (Tringa ochropus), Flussuferläufer (Actitis hypoleucos), Grün- und Rotschenkel, Alpenstrandläufer (Calidris alpina), Sichelstrandläufer (Calidris ferruginea), sowie Sand- und Flussregenpfeifer auf.  
Die Dämmerstunde am See ist immer wieder ein Genuss.
 
Ebenso, wenn morgens die Sonne wieder ihre Reise gen Westen beginnt.
Zwischendurch gab es diesmal Wetterkapriolen und daraus erwachsene Stimmungen, die einem einmal mehr bewusst machen, wie schön doch das Havelland ist.
Von hier aus konnten P. v. S. und ich den Teichwasserläufer am Dienstagmorgen nocheinmal ausfindig machen, besser gesagt, er kam gegen 8:00 Uhr zu dieser Blänke geflogen, an der wir uns für den Morgen angesetzt hatten. Auch eine Wasserralle (Rallus aquaticus) ließ sich neben all den anderen sehen und ca. 20 Trauerseeschwalben (Chlidonias niger) gaukelten fortwährend über der Fläche. Dazu gab´s bei entspannter Morgenstimmung Kaffee und gute Konversation. Erwähnenswert ist noch ein Trupp von 23 Schwarzstörchen (Ciconia nigra), der am Montag in der Frühe unweit des Bärengrabens landete. Leider waren nur Belegaufnahmen eines Teils der Tiere gegen die Sonne möglich. 
Ein paar Stunden früher stand allerdings ein einzelner adulter besser in Position.
Dabei will ich es vorerst bewenden lassen. Nur eins noch: wer seine Bestimmungskenntnisse bezüglich Enten im Schlichtkleid verfestigen möchte, der sollte jetzt in die "Großer Graben-Niederung" aufbrechen. Am Mittwoch sah ich die ersten 6 Spießenten (Anas acuta), die das "Anas-Ensemble" nun vervollständigen.
In der Hoffnung, dass ich ein wenig der vorherrschenden Stimmung in diesem Post einfangen konnte, verbleibe ich mit herzlichen Grüßen - Tschü, Bert...

Donnerstag, 1. August 2013

Westhavelland - Z.n. Sommerhochwasser...

Hallo in die Runde!

Ich war schon lang´ nicht mehr am Gülper See. Nachdem das diesjährige Sommerhochwasser vorüber ist, stehen zumindest einige Wiesen im Pareyer Luch noch unter Wasser. Die Hitze der Letzten Tage ließ die meisten dieser Blänken mehr und mehr schwinden, so dass einige Schlickflächen entstanden und viele Grünflächen mit verrottender Vegetation bedeckt sind. Aufgrund der vorhergehenden und der vorherrschenden Situation liegen auch einige Säugetier- und Fischkadaver im Gebiet und die Insektenzahl ist hoch. So werden Vögel, wie z.B. Seeadler (Haliaeetus albicilla), Graureiher (Ardea cinerea), Störche und Lachmöwen (Chroicocephalus ridibundus) praktisch magisch angezogen. Am 29.07. konnte ich 52 Seeadler vor Ort zählen und ca. 80 Graureiher auf einem Haufen, neben mindestens 21 Weißstörchen (Ciconia ciconia) und rund 500 Lachmöwen. Sieht man auch nicht alle Tage! Limikolen sind oft nur im Fluge auszumachen, oder wenn sie mal rufen. So sah ich Trupps von fliegenden Kampfläufern (Philomachus pugnax) und Bekassinen (Gallinago gallinago) und hörte Bruchwasserläufer (Tringa glareola), Waldwasserläfer (Tringa ochropus), Dunkelwasserläufer (Tringa erythropus) und Rotschenkel (Tringa totanus). In der Vegetation schwer zu erheben ist die Zahl der rastenden Enten. Arten wie Schnatter-, Pfeif-, Löffel-, Krick-, Knäk-, Stock-, Reiher-, Tafel- und Schellenten kann man in jedem Fall beobachten. Auch wenn sie dicht gedrängt, wie hier auf dem Großen Graben, zu sehen sind, müssen Zahlen vorsichtige Schätzung bleiben.
Die Sichtung eines adulten Schwarzhalstauchers (Podiceps nigricollis) nebst zwei Jungvögeln lässt auf eine erfolgreiche Brut in den überstauten Wiesen schließen und auch Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) sind im Familienverband unterwegs. Der Wasserstand des Gülper Sees bietet, trotz der zurückliegenden Ereignisse, erstaunlich gute Rastbedingungen für Limikolen. Deren Zug in ihre Winterquartiere befindet sich allerdings erst in der Anfangsphase und so konnte ich am 30. und 31.07. "nur" einen adulten Alpenstrandläufer (Calidris alpina) im Prachtkleid, einen adulten Kampfläufer im Übergangskleid und 24 Flussuferläufer (Actitis hypoleucos) bei der Nahrugssuche am schlickigen Spülsaum des Gülpi beobachten. Am 31.07., zu früher Stund´, erfreuten mich besonders zwei Seidenreiher (Egretta garzetta) und kurz darauf eine Schmarotzerraubmöwe (Stercorarius parasiticus), welche in unseren Breiten zwar regelmäßig, aber nicht oft gemeldet werden.
Die Schmaro konnte ich eine Weile schwimmend bei der Gefiederpflege beobachten, bevor sie abflog und Richtung SO verschwand. Ich denke, dass sie, aufgrund des auffällig breiten Brustbandes und der im Feld noch recht gut erkennbaren hellen Unterflügeldeckenzeichnung,  gerade ihren zweiten Sommer erlebt, sich also im 3. Kalenderjahr befindet. Sicher hat sie sich auf ihrer Reise gen Süden bei den Lachmöwen durchschmarotzt, von denen ich am Montag eine enorme Anzahl von 21300 Tieren auf dem Gülper See feststellen konnte. Jene nutzen das Gewässer momentan als Schlafplatz und kommen abends in Trupps aus allen Himmelsrichtungen eingeflogen. Natürlich gab es auch noch um die 30 Großmöwen, ganz überwiegend immature Steppenmöwen (Larus cachinnans), einige, wahrscheinlich die meisten davon, aus Polen, Russland oder der Ukraine, wie die gelben Fußringe beweisen. Bemerkenswert ist, dass ich das 3. Jahr in Folge die mit PANT gekennzeichnete Steppenmöwe beobachten konnte. Die erste Sichtung der Möwe hab´ ich am 24.09.2011 notiert. Damals war sie 3 Jahre alt - heute trägt sie ihr adultes Kleid. Einige wenige Mittelmeermöwen (Larus michahellis) waren auch zugegen, wobei ich wiedermal an meine Grenzen geraten bin, was das Bestimmen von Vögeln im frischen Jugendkleid angeht, wenn die einfach bloß so dastehen. Der Vogel rechts im Hintergrund könnte eine JK Mittelmeermöwe sein? Wer sie sicher ansprechen kann, soll es mich unter Nutzung der Kommentarfunktion wissen lassen.
Zum Schluss noch 2 beringte, unzweifelhafte K2 Steppenmöwen. Die Fotoqualität ist zwar nicht so berauschend, die Codes sind aber zu erkennen. PLLV und PLZZ stehen da zusammen. Die 4. im Bunde war die PLEK.
 Alles in Allem wieder einmal eine schöne Sache! Die Limis können kommen...
 

Mittwoch, 19. Juni 2013

Kleine Sensation - Buschspötter bei Potsdam...

Gestern, am 18.06., ereignete sich wieder einmal einer der Momente im Leben eines Vogel- freundes, die den Puls gewaltig in die Höhe treiben. Quakbox abgehört und die liebliche Stimme von M.L. drauf: "Buschspötter bei Gatow". Etwas später dann, gegen 18:15 Uhr, Anruf in Abwesenheit: die Nr. meines Kumpels S.K., den ich auch glücklicherweise relativ zeitnah zurückrief und welcher just in diesem Moment, nachdem er sein Foto-Equipment von Zuhause geholt hatte, wieder zum Ort des Geschehens aufbrechen wollte und mich kurzerhand mitnahm. So fuhren wir zusammen in die ehemaligen Gatower Rieselfelder, wo u.a. Braunkehlchen (Saxicola rubetra), Neuntöter (Lanius collurio), Dorngrasmücke (Sylvia communis), Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris), Goldammer (Emberiza citrinella), zwei Wachtelkönige (Crex crex) und eben auch unser eigentlich sehr viel weiter östlich vorkommender Spötter anzutreffen waren. Der Gesang des Buschspötters (iduna caligata) ist recht auffällig und sticht sogleich aus dem gewohnten, einheimischen Vogelkonzert in einem solchen Habitat heraus. Unser Kamerad setzte sich desöfteren mehr oder minder frei in einen trockenen Holunderbusch, sang, lieferte sich kleine Scharmützel mit den ortsansässigen Braunkehlen und verschwand zuweilen in der Vegetation am Boden. Leider war der Sonnenstand etwas hinderlich, so dass mir nur mäßige Belegaufnahmen gelangen, die ich hier u.a. in einer kleinen beschrifteten Montage zum Besten geben möchte.

Auf dem ersten Bild ist unser Zweigsänger leider überwiegend verdeckt. In der Montage sind einige artspezifische Merkmale einigermaßen abgebildet und gekennzeichnet. Der Schnabel zeigte im Feld, je nach Haltung und Lichteinfall, einen dunklen First und die typische dunkle Spitze. Zu guter Letzt noch ein Link zum Gesang des Vogels und erheblich brillanteren Fotos. Soweit mir bekannt ist, ist das die erste Beobachtung dieser Art für Brandenburg, auch in ganz Deutschland kann man dokumentierte Nachweise, über die Jahre, an einer Hand abzählen. Somit wird der Buschspötter hierzulande als "Ausnahmeerscheinung" eingestuft. Und das Ganze Mitte Juni, direkt vor der Haustür! Ein Hahn in höchster Balzstimmung! - Sachen gibt´s...

Zürnt, Freunde nicht, wenn Spötter euch verlachen,
erwidert lächelnd ihren Spott, und wisst:
Der Spötter Witz kann nichts verächtlich machen,
was wirklich nicht verächtlich ist.                                                        Friedrich von Bodenstedt

Allerbestens - der Sternabert... 

Mittwoch, 12. Juni 2013

Schottland im Juni...

Liebe Leute, am 1. Juni machten sich vier Jungs aus der Potsdamer Fachgruppe und meine Wenigkeit auf, um den Norden von Great Britain aus avifaunistischer Sicht zu erkunden. Wir landeten am frühen Abend in Edinburgh, holten unsere "Mystery machine" ab und erreichten als erstes Etappenziel und gleichzeitiges Nachtlager Loch of Lowes, wo wir u. a. unsere ersten Rothühner (Alectoris rufa) einen revieranzeigenden Flußuferläufer (Actitis hypoleucos), einen tremolierenden Waldkauz (Strix aluco) und die in Schottland allgegenwärtigen Austernfischer (Haematopus ostralegus), Fitis (Phylloscopus trochilus), Zaunkönig (Troglodytes troglodytes) und Rotkehlchen (Erithacus rubecula) feststellen konnten.
Morgens noch Eis auf dem Zelt, aber ansonsten Bombenwetter an allen Tagen. Nach dem ersten Kaffee weiter in die  Highlands Richtung Braemar und dann zum Loch Muik. Auf dem Weg Rotschenkel (Tringa totanus) , Großer Brachvogel (Numenius arquata) und Kiebitze (Vanellus vanellus) mit schon ziemlich reifen Pulli. Auch unsere ersten und erstaunlicherweise auch letzten 2 Steinadler. Ein Totfund am Spülsaum von Loch Muik bot uns die Chance, ein weibliches, schottisches Birkhuhn (Lyrurus tetrix) mal etwas näher zu betrachten, lebendige sind uns später selbstverständlich auch noch begegnet.
Denn dort in der Nähe fanden wir unweit von unserem Lager in einem wunderschönen Glen gelegen, eine Birkhahn-Balz-Arena mit 20 Protagonisten. Ein adulter Merlinterzel (Falco columbarius) strich an uns vorüber. Später ließen sich in Zeltnähe auch noch 5 weitere Birkhähne nieder, um uns in den Schlaf zu kollern. Die Tage sind lang in Schottland und z.T. auch recht anstrengend.
Am Morgen Katzenwäsche im Hügelbach und weiter zu den Orkney Inseln, nicht ohne auf dem Weg Schottisches Moorschneehuhn (Lagopus lagopus scotica), Ohrentaucher (Podiceps auritus), den im Havelland fast allgegenwärtigen, in Schottland aber nur mit ca. 200 Paaren vertretenen Fischadler (Pandion haliaetus)  und Loch Ness gesehen zu haben. Überall steht nach Aprikose und Mandel duftender, dottergelber Ginster und direkt am Ufer des Lochs ein Horst voller junger Mäusebussarde (Buteo buteo).
Die letzte Fähre zu den Inseln war dummerweise schon ausgebucht und ohnehin haben die Fährleute schottische Preise erhoben. Während der Verhandlungen im Hafen überflogen uns die ersten Dreizehenmöwen (Rissa tridactyla) und Krähenscharben (Phalacrocorax aristotelis). Also kurzerhand weiter nach Castletown um von dort aus auf die vorgelagerte Halbinsel zu gelangen und schön Eissturmvögel (Fulmarus glacialis), Trottellummen (Uria aalge), Tordalken (Alca torda), Papageitaucher (Fratercula arctica) und Gryllteiste (Cepphus grylle) zu beobachten und würzige Atlantik-Luft zu atmen. Birkenzeisig (Carduelis flammea), Berghänfling  (Carduelis flavirostris) und Strandpieper (Anthus petrosus) vertraten die Gruppe der Singvögel. Letztere bauen ein ähnlich auffälliges, wenn auch trotzdem gut verstecktes Nest wie der Wiesenpieper (Anthus pratensis). Blaue Stunde.
Dienstag in der Frühe bezauberte uns dieser prächtige Sterntaucher (Gavia stellata) bei absoluter Windstille ein paar 100 Meter entfernt von der Steilküste. Das moorige Wasser des Sees nebenan erfrischte uns für den Tag und auch unsere ersten sicheren Schmarotzerraubmöwen (Stercorarius parasiticus) konnten wir bei diesem herrlichen Wetter dingfest machen. Auf zur nächsten Vogelinsel namens Handa, auf dem Weg dorthin ein obligates Vollbad im kalten Atlantik und ein Marsch am Strand entlang, durch Wanderdünen zum Plateau mit brütenden Eissturmvögeln, Dreizehenmöwen, vorbeiziehenden Basstölpeln (Morus bassanus), Berghänflingen u.s.w. An anderer Stelle auch wieder Birkenzeisig und Strandpieper.
Abends im hochmoorigen Hügelland bei Scourie Bay angekommen. Auf den vielen kleinen Moortümpeln konnten wir leider kein erhofftes Odinshünchen finden. In der Dämmerung balzte aber schön ein Flußuferläufer und auch das Schottische Moorschneehuhn ließ seine charakteristische Rufreihe erklingen. Nachts schlichen sogar ein paar dieser adretten Raufußhühner um unser Zelt, so dass man die knapsenden Fressgeräusche hören konnte, so nah waren die! Unser Boot sollte um 9.°° Uhr gehen, leider hatten wir erneut kein Glück, denn der Motor des Kahns hatte für unbestimmte Zeit den Geist aufgegeben. Einige engl. Ornis warteten wohl schon 3 Tage in der zugegebenermaßen beschaulichen Bucht. Also nochmal von Nord-West in die Highlands mit erfolgloser Suche Nach dem Auerhuhn (Tetrao urogallus) im Glenmore Forest. Meine Sekundenbeobachtung eines großen schwarzen, im Blaubeergestrüpp landenden Vogels in einer ungünstigen Minute, konnte man nicht zählen. Wer kann sich als erster den engl. Namen "Capercaillie" merken und das dann auch noch korrekt aussprechen? Auch der Kreuzschnabel musste unbestimmt bleiben. Über unserem nächtlichen Camp kreuzte eine balzfliegende Waldschnepfe. Tags darauf ging es auf die Hochplateaus des Ben Macdui. U. D. entdeckte den Mornellregenpfeifer (Charadrius morinellus), als erster. "Da fliegt er!" "Wo?" "Na da vor dem Berg!" "Achso!" "Jetzt isser hinter der Kuppe verschwunden." "Welche Kuppe?" Nun ja, mit etwas Glück und Geduld konnte ich dann noch einen brütenden Mornell in der weiten, steinigen, kurzrasigen Fläche entdecken. Im Vorfeld kamen noch Alpenschneehuhn, Schneeammer und Ringdrossel auf unsere Liste.
Mein persönliches Highlight war der Mornell, nicht zuletzt, weil die sich, wenn ersteinmal entdeckt, beim Brutgeschäft bestens beobachten lassen. Bei Mornellregenpfeifern sind die Geschlechterrollen, bezüglich der Brutbiologie, vertaucht. Das Weibchen legt zwar die Eier, und brütet am Anfang und am Ende der Saison gegebenenfalls zuweilen mit. Das Männchen übernimmt jedoch den ganz überwiegenden Teil der Brut- und Jungenpflege. Die zwei Gipfelstürmer der Gruppe mussten leider ohne eine Mornellsichtung die Heimreise antreten.
Eine Seevogelinsel sollte es dann aber doch noch mal sein und so hatten wir am Vortag schon beschlossen, am Freitag, in Nord-Ost-England, die Farn Islands zu besuchen. Die vorletzte Nacht verbrachten wir allein, zusammen mit ein paar Schafen, auf einem echten engl. Zeltplatz. Leider waren genau jetzt die Energiekapazitäten meiner Kamera erloschen und das Lademodul im Auto funktionierte nicht. Daher werde ich in nächster Zeit Bilder von meinen Kameraden nachreichen, die ihre Accus erst auf den Inseln endladen haben und mir sicher ein paar schöne Bilder zur Verfügung stellen werden. Alles unglaublich geringe Distanzen und wunderschöne Tiere. Nur stinken tun sie etwas. Auf der Seeschwalbeninsel konnte ich zwischen mehreren hundert Küsten- und Flussseeschwalben auch eine Rosenseeschwalbe (Sterna dougallii) entdecken, welche von der anbei stehenden Insel-Rangerin bestätigt wurde. Sie hatte am selben Morgen zwei Individuen dieser seltenen Art an gleicher Stelle beobachtet. Die hätte ich zu gerne fotografisch verhaftet - so kann´s gehen.
14.06.: Uwe hat mir ein paar seiner Bilder für den Blog zur Verfügung gestellt. Fangen wir doch gleich mit den Seeschwalben aus Northumberland an. Hier überwiegend Küstenseeschwalben (Sterna paradisaea) und einzelne Flussseeeschwalben (Sterna hirundo). Die Rosenseeschwalbe ist nicht dabei. Auch Brandseeschwalben (Sterna sandvicensis) brüten zentral auf einigen der kleinen Inseln.
Trottellummen, Tordalke, Papageitaucher, Eiderenten, Eissturmvögel, Dreizehenmöwen, Heringsmöwen (Larus fuscus graellsii), Silbermöwen (Larus argentatus argenteus), Krähenscharben und Wiesenpieper schreiten ebenfalls zur Brut und geben sich nebenher z.T. noch als relativ gelassene Fotomodelle.
Auf dem letzten Bild die Hauptinsel der Farn Islands vom Boot aus und zum Abschluss des ganzen Berichts noch ein Porträt vom possierlichen Clown Puffin...
 Cheerio!