Sternabert

Sternabert

Mittwoch, 12. Juni 2013

Schottland im Juni...

Liebe Leute, am 1. Juni machten sich vier Jungs aus der Potsdamer Fachgruppe und meine Wenigkeit auf, um den Norden von Great Britain aus avifaunistischer Sicht zu erkunden. Wir landeten am frühen Abend in Edinburgh, holten unsere "Mystery machine" ab und erreichten als erstes Etappenziel und gleichzeitiges Nachtlager Loch of Lowes, wo wir u. a. unsere ersten Rothühner (Alectoris rufa) einen revieranzeigenden Flußuferläufer (Actitis hypoleucos), einen tremolierenden Waldkauz (Strix aluco) und die in Schottland allgegenwärtigen Austernfischer (Haematopus ostralegus), Fitis (Phylloscopus trochilus), Zaunkönig (Troglodytes troglodytes) und Rotkehlchen (Erithacus rubecula) feststellen konnten.
Morgens noch Eis auf dem Zelt, aber ansonsten Bombenwetter an allen Tagen. Nach dem ersten Kaffee weiter in die  Highlands Richtung Braemar und dann zum Loch Muik. Auf dem Weg Rotschenkel (Tringa totanus) , Großer Brachvogel (Numenius arquata) und Kiebitze (Vanellus vanellus) mit schon ziemlich reifen Pulli. Auch unsere ersten und erstaunlicherweise auch letzten 2 Steinadler. Ein Totfund am Spülsaum von Loch Muik bot uns die Chance, ein weibliches, schottisches Birkhuhn (Lyrurus tetrix) mal etwas näher zu betrachten, lebendige sind uns später selbstverständlich auch noch begegnet.
Denn dort in der Nähe fanden wir unweit von unserem Lager in einem wunderschönen Glen gelegen, eine Birkhahn-Balz-Arena mit 20 Protagonisten. Ein adulter Merlinterzel (Falco columbarius) strich an uns vorüber. Später ließen sich in Zeltnähe auch noch 5 weitere Birkhähne nieder, um uns in den Schlaf zu kollern. Die Tage sind lang in Schottland und z.T. auch recht anstrengend.
Am Morgen Katzenwäsche im Hügelbach und weiter zu den Orkney Inseln, nicht ohne auf dem Weg Schottisches Moorschneehuhn (Lagopus lagopus scotica), Ohrentaucher (Podiceps auritus), den im Havelland fast allgegenwärtigen, in Schottland aber nur mit ca. 200 Paaren vertretenen Fischadler (Pandion haliaetus)  und Loch Ness gesehen zu haben. Überall steht nach Aprikose und Mandel duftender, dottergelber Ginster und direkt am Ufer des Lochs ein Horst voller junger Mäusebussarde (Buteo buteo).
Die letzte Fähre zu den Inseln war dummerweise schon ausgebucht und ohnehin haben die Fährleute schottische Preise erhoben. Während der Verhandlungen im Hafen überflogen uns die ersten Dreizehenmöwen (Rissa tridactyla) und Krähenscharben (Phalacrocorax aristotelis). Also kurzerhand weiter nach Castletown um von dort aus auf die vorgelagerte Halbinsel zu gelangen und schön Eissturmvögel (Fulmarus glacialis), Trottellummen (Uria aalge), Tordalken (Alca torda), Papageitaucher (Fratercula arctica) und Gryllteiste (Cepphus grylle) zu beobachten und würzige Atlantik-Luft zu atmen. Birkenzeisig (Carduelis flammea), Berghänfling  (Carduelis flavirostris) und Strandpieper (Anthus petrosus) vertraten die Gruppe der Singvögel. Letztere bauen ein ähnlich auffälliges, wenn auch trotzdem gut verstecktes Nest wie der Wiesenpieper (Anthus pratensis). Blaue Stunde.
Dienstag in der Frühe bezauberte uns dieser prächtige Sterntaucher (Gavia stellata) bei absoluter Windstille ein paar 100 Meter entfernt von der Steilküste. Das moorige Wasser des Sees nebenan erfrischte uns für den Tag und auch unsere ersten sicheren Schmarotzerraubmöwen (Stercorarius parasiticus) konnten wir bei diesem herrlichen Wetter dingfest machen. Auf zur nächsten Vogelinsel namens Handa, auf dem Weg dorthin ein obligates Vollbad im kalten Atlantik und ein Marsch am Strand entlang, durch Wanderdünen zum Plateau mit brütenden Eissturmvögeln, Dreizehenmöwen, vorbeiziehenden Basstölpeln (Morus bassanus), Berghänflingen u.s.w. An anderer Stelle auch wieder Birkenzeisig und Strandpieper.
Abends im hochmoorigen Hügelland bei Scourie Bay angekommen. Auf den vielen kleinen Moortümpeln konnten wir leider kein erhofftes Odinshünchen finden. In der Dämmerung balzte aber schön ein Flußuferläufer und auch das Schottische Moorschneehuhn ließ seine charakteristische Rufreihe erklingen. Nachts schlichen sogar ein paar dieser adretten Raufußhühner um unser Zelt, so dass man die knapsenden Fressgeräusche hören konnte, so nah waren die! Unser Boot sollte um 9.°° Uhr gehen, leider hatten wir erneut kein Glück, denn der Motor des Kahns hatte für unbestimmte Zeit den Geist aufgegeben. Einige engl. Ornis warteten wohl schon 3 Tage in der zugegebenermaßen beschaulichen Bucht. Also nochmal von Nord-West in die Highlands mit erfolgloser Suche Nach dem Auerhuhn (Tetrao urogallus) im Glenmore Forest. Meine Sekundenbeobachtung eines großen schwarzen, im Blaubeergestrüpp landenden Vogels in einer ungünstigen Minute, konnte man nicht zählen. Wer kann sich als erster den engl. Namen "Capercaillie" merken und das dann auch noch korrekt aussprechen? Auch der Kreuzschnabel musste unbestimmt bleiben. Über unserem nächtlichen Camp kreuzte eine balzfliegende Waldschnepfe. Tags darauf ging es auf die Hochplateaus des Ben Macdui. U. D. entdeckte den Mornellregenpfeifer (Charadrius morinellus), als erster. "Da fliegt er!" "Wo?" "Na da vor dem Berg!" "Achso!" "Jetzt isser hinter der Kuppe verschwunden." "Welche Kuppe?" Nun ja, mit etwas Glück und Geduld konnte ich dann noch einen brütenden Mornell in der weiten, steinigen, kurzrasigen Fläche entdecken. Im Vorfeld kamen noch Alpenschneehuhn, Schneeammer und Ringdrossel auf unsere Liste.
Mein persönliches Highlight war der Mornell, nicht zuletzt, weil die sich, wenn ersteinmal entdeckt, beim Brutgeschäft bestens beobachten lassen. Bei Mornellregenpfeifern sind die Geschlechterrollen, bezüglich der Brutbiologie, vertaucht. Das Weibchen legt zwar die Eier, und brütet am Anfang und am Ende der Saison gegebenenfalls zuweilen mit. Das Männchen übernimmt jedoch den ganz überwiegenden Teil der Brut- und Jungenpflege. Die zwei Gipfelstürmer der Gruppe mussten leider ohne eine Mornellsichtung die Heimreise antreten.
Eine Seevogelinsel sollte es dann aber doch noch mal sein und so hatten wir am Vortag schon beschlossen, am Freitag, in Nord-Ost-England, die Farn Islands zu besuchen. Die vorletzte Nacht verbrachten wir allein, zusammen mit ein paar Schafen, auf einem echten engl. Zeltplatz. Leider waren genau jetzt die Energiekapazitäten meiner Kamera erloschen und das Lademodul im Auto funktionierte nicht. Daher werde ich in nächster Zeit Bilder von meinen Kameraden nachreichen, die ihre Accus erst auf den Inseln endladen haben und mir sicher ein paar schöne Bilder zur Verfügung stellen werden. Alles unglaublich geringe Distanzen und wunderschöne Tiere. Nur stinken tun sie etwas. Auf der Seeschwalbeninsel konnte ich zwischen mehreren hundert Küsten- und Flussseeschwalben auch eine Rosenseeschwalbe (Sterna dougallii) entdecken, welche von der anbei stehenden Insel-Rangerin bestätigt wurde. Sie hatte am selben Morgen zwei Individuen dieser seltenen Art an gleicher Stelle beobachtet. Die hätte ich zu gerne fotografisch verhaftet - so kann´s gehen.
14.06.: Uwe hat mir ein paar seiner Bilder für den Blog zur Verfügung gestellt. Fangen wir doch gleich mit den Seeschwalben aus Northumberland an. Hier überwiegend Küstenseeschwalben (Sterna paradisaea) und einzelne Flussseeeschwalben (Sterna hirundo). Die Rosenseeschwalbe ist nicht dabei. Auch Brandseeschwalben (Sterna sandvicensis) brüten zentral auf einigen der kleinen Inseln.
Trottellummen, Tordalke, Papageitaucher, Eiderenten, Eissturmvögel, Dreizehenmöwen, Heringsmöwen (Larus fuscus graellsii), Silbermöwen (Larus argentatus argenteus), Krähenscharben und Wiesenpieper schreiten ebenfalls zur Brut und geben sich nebenher z.T. noch als relativ gelassene Fotomodelle.
Auf dem letzten Bild die Hauptinsel der Farn Islands vom Boot aus und zum Abschluss des ganzen Berichts noch ein Porträt vom possierlichen Clown Puffin...
 Cheerio!

Montag, 6. Mai 2013

Birdrace 2013...

Hallo Freunde!

Hier nun in aller Kürze der angekündigte Bericht vom 2013er Birdrace.
Wie ihr seht, sind wir in den letzten Jahren nicht gealtert.
In Wirklichkeit hatte zumindest ich in der Nacht zuvor zu tun, überhaupt eine Zwergenmütze voll Schlaf zu kriegen und so ging es gegen 4:30 Uhr dann, entsprechend zurechtgemacht und gefühlt mindestens 85-jährig, endlich los. Wir hatten trotzdem alle gute Laune und das Wetter spielte in diesem Jahr auch fantastisch mit. Am Ende des Tages waren wir nach 144 Arten alle schwer k.o. und belegten in der bundesweiten Gesamtwertung , ein paar Stellen nach den Cracks vom Team "Havelland", unserer direkten Konkurrenz, (nur) den 9. Platz, den wir uns dann auch noch mit den Erzrivalen, den "Pornithos" aus der Potsdamer FG-Ornithologie, teilen müssen, die allerdings in der Uckermark unterwegs waren und ansonsten eigentlich auch ganz nette Jungs sind ; ) . Nun ja, wir werden es überstehen. Um den Text nicht ins Unermessliche zu verlängern, wollte ich heute nur einmal die Arten aufführen, die uns bei korrekter Spielweise (d.h. mindestens 3 "Running Men" in unserer 4er-Gruppe müssen den Vogel gesehen oder gehört, zumindest sicher bestimmt haben), durch die Lappen gingen. Dies waren namentlich Waldwasserläufer, Waldbaumläufer, Wintergoldhähnchen und Temminckstrandläufer. Letzterer verschwand in den Pareyer Wiesen immer wieder hinter Grasbüscheln und flog nach recht kurzer Beobachtungsdauer schließlich bei Störung ab und ward nicht mehr wiedergefunden. Dass wir keine Bartmeisen hatten, war unsere eigene Selberschuld, da wir es vorzogen, beim Frühstück in Ruhe und im Sitzen der Beutelmeise zu lauschen und nicht mehr durch die angrenzenden, von Bartmeisen bewohnten, Schilffelder zu streifen - "die kriegen wa heut´ Abend noch" - Pustekuchen. Eisvogel, Gelbspötter, Raubwürger, Heckenbraunelle, Rebhuhn, Weidenmeise, Wendehals (Jynx torquilla) und Co. waren auch fest eingeplant, machten uns aber ihrer selbst einen Strich durch die Rechnung, indem sie sich weder zeigten, noch irgendwelche Laute von sich gaben.
Dafür überraschte uns ein Wespenbussard, der im lichten Wald unseren Weg kreuzte, sich kurz auf einer Kiefer niederließ und später nochmal für alle rief und in schöner Beo-Distanz über unseren Köpfen kreiste. Alle anderen Sichtungen sind auf der DDA-Liste minutiös aufgelistet nachzulesen. Schöne, spannende und lustige Sache, das mit dem Birdrace. Sicher gehen wir 2014 wieder an den Start. Dann u.U. mit aktuellem Team-Foto...

Allerbestens - Bert...

Donnerstag, 2. Mai 2013

Bubo bubo im Havelland...

Hallo liebe Leute,

wie  aus der Überschrift zu entnehmen ist, soll es heute, aus gegebenem Anlass, in erster Linie um den Uhu (Bubo bubo) gehen. Diese große Eule ist, nicht nur in Brandenburg, sehr selten und daher werde ich die präzisen Beobachtungsorte an dieser Stelle für mich behalten. Ja, es gibt tatsächlich zwei Gebiete im Havelland, in denen die tiefen, vollklingenden "BU-ho" Rufe derzeit zu hören sind. Ich bin mir keineswegs sicher, aber die hohe Rufintensität in der letzten Aprildekade, lässt wohl leider nur auf unverpaarte Männchen schließen. Eins der Tiere bereitete mir vor einer Woche eine besondere Freude, indem es sich in der Dämmerung unvermittelt, direkt in nächster Nähe, in einen Baum setzte und ca. zehn Minuten lang den, auf geringe Distanz gehört, erstaunlich leisen, Balzgesang vortrug.
Ich hatte es mir zuvor in einer Weide bequem gemacht und seinen fernen Rufen schon eine Weile gelauscht, als der nächtliche Jäger plötzlich lautlos von hinten angeflogen kam und sich, leider mit dem Rücken zu mir, auf seiner Warte niederließ. So ein unglaubliches Glück hat man nur einmal im Leben! Später strich er ab, um von anderer Stelle bis in die Dunkelheit hinein weiter zu rufen. So konnte ich mich scheinbar unbemerkt aus seinem Revier heraus pirschen. Erst in mondheller Nacht war sein "UU-hu" nur noch sporadisch zu hören.
Einige Tage später rief er noch in ähnlicher Intensität im bekannten Gelände. Den zweiten havelländischen  Uhu hörte ich zusammen mit S. K. in der Walpurgisnacht kurz vor Null Uhr aus einiger Entfernung. Dieser Geselle meldete sich erst in absoluter Dunkelheit und rief ungefähr eine Dreiviertelstunde. Seit Anfang der 90er Jahre werden in Brandenburg wohl wieder häufiger revieranzeigende Uhus bemerkt. Brutnachweise kann man aber an einer Hand abzählen. Ich bin gleichermaßen überrascht, wie begeistert und wünsche den Jungs, dass sie irgendwo versteckt vielleicht doch ihr brütendes Weibchen sitzen haben. Im Pareyer Luch hält sich seit einigen Tagen ein Paar von Stelzenläufern (Himantopus himantopus) auf.
Schön und in der Havelniederung mittlerweile selten zu beobachten ist die Uferschnepfenbalz mit Kopula. Diese wirklich adretten Watvögel sind sehr stimmfreudig und so ist es nicht schwierig, das mal schleppend und mal schnell gereiht hervorgebrachte "Witte Witte Witte" aus den anderen Enten- und Limikolenrufen heraus zu hören. Als Eselsbrücke kann man diesen Balzruf mit dem engl. Namen der Schnepfe in Verbindung bringen: Black-tailed GodWIT (Limosa limosa).
Tüpfelsumpfhühner (Porzana porzana) und Kleinrallen (Porzana parva) rufen und auch die Ortolane (Emberiza hortulana) sind in ihren hiesigen Home ranges angekommen
Am Wochenende ist Birdrace - Vogelrennen! Nein, es rennen nicht die Vögel, sondern in unserem Fall 4 Auspices, die Nachtschwalben aus Potsdam, die versucht sein werden, eine hohe Vogelartenzahl zu ermitteln und somit in den oberen Rängen der bundesweiten Gesamtauswertung mit zu rangieren. Drückt uns die Daumen! Ergebnisbericht folgt.

Horrido - Bert...

Montag, 15. April 2013

Es ist Lötzzeit...

Liebe Freunde, in der Havelniederung um den Gülper See gibt es im Vergleich zum Inhalt der letzten Posts keine signifikanten Veränderungen zu vermelden. Außer, dass die Enten- und Gänsezahlen schon merklich abgenommen haben. Erwähnenswert vielleicht der erste singende Baumpieper (Anthus trivialis) , Sommergoldhähnchen (Regulus ignicapillus), drei Wiesenschafstelzen (Motacilla flava), ein adulter Merlinmann (Falco columbarius), 1,0 Bergente (Aythya marila) und die (obligate) Kurzschnabelgans (Anser brachyrhynchus) .
Am Rande noch eine abstruse Sichtung aus einer der dunkelsten Gegenden Deutschlands. Haltet mich für verrückt, aber neben einigen Sternschnuppen habe ich in der Nacht vom 12. zum 13.04. mein erstes UFO gesehen - sozusagen ein "Lifer". Ein auffällig großes, gleißendes Licht, ohne blinkende Positionsleuchten kam ruhig und geradlinig aus W angeflogen um nach einiger Zeit und im Bruchteil einer Sekunde senkrecht nach oben zu fahren und im Äther zu verschwinden. Astronauten aus fernen Galaxien? Besucher aus anderen Dimensionen? Oder war es gar eine neue Geheimwaffe der Bundeswehr die in "Area Klietz" abgeschossen wurde, um einen armen nächtlichen Luchgänger zu erschrecken? Der nächste Abend war weniger paranormal, allein aber aus vogelkundlicher Sicht ein Hochgenuss. Als sich im Wachower Lötz mein letzthin ständiger Begleiter, der Wind, gegen Abend etwas gelegt hatte, konnte ich dort die ersten Fitislaubsänger (Phylloscopus trochilus)  in diesem Jahr begrüßen. Insgesamt sangen drei.
Nur eine Rohrdommel (Botaurus stellaris) machte mit ihrem wundersamen Bass auf sich aufmerksam. Leider Gottes haben diese im Volksmund zu Recht "Moorochse" genannten Vögel bei uns in den letzten Jahren stark abgenommen, dagegen sind 5 singende Blaukehlchen (Luscinia svecica) in einem Gebiet für die Mittlere Havelniederung schon eine sehr erfreuliche Sache.
Desweiteren gaben sich mittlerweile auch hier die Wiesenschafstelzen ein Stelldichein und die ersten Bekassinen (Gallinago gallinago) vollführten, im Gegensatz zu denen in der Havelaue, ihre abendliche Luftbalz. Ab und an erklang der Ruf des Waldwasserläufers (Tringa ochropus) und Rohrschwirl (Locustella luscinioides), Bartmeise (Panurus biarmicus) und Co. bevölkern die Schilfzonen. Am späteren Abend war starker Rotdrosseldurchzug zu bemerken und neben 2 balzrufenden Wasserrallen (Rallus aquaticus) peitschten tatsächlich 3 Tüpfelsumpfhüner (Porzana porzana) ihr taktfestes "huITT" durch die Nacht.
Morgens beim Kaffee nocheinmal ca. 30 Rotdrosseln (Turdus iliacus), eine melancholisch "ziÜ ziÜ ziÜ" rufende Weidenmeise (Poecile montana), eine singende Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla), der erste männliche Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) und ein Trupp Schwanzmeisen (Aegithalos caudatus). Im Hintergrund  Blaukehlchen. Auf dem Weg durch die Wachower Feldflur sah ich noch Bless- und Tundrasaatgänse, begleitet von einem Kurzschnabel. Am in der Nähe gelegenen Trebelsee gab´s neben 12 Silberreihern (Casmerodius albus) und anderen Enten auch 1 Schwarzhalstaucher (Podiceps nigricollis) und 8 weibchenfarbige Samtenten (Melanitta fusca).
Dass in der Nacht nur wenige Meter von meier Schlafstatt entfernt ein riesiger Pappelast zu Boden gekracht ist, brauch´ ich ja gar nicht zu erwähnen. Vogelkieken, Grenzwissenschaft und Lebensgefahr - ein brandenburger Abenteuer...










In diesem Sinne - Bert...

Donnerstag, 11. April 2013

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer...

Am 08.04. zog es mich schon wieder in die Havelaue. Die Beobachtugsbedingungen gestalteten sich allerdings erneut eher suboptimal, da gegen Mittag, wie sollte es auch anders sein, ein andauernder, wirklich kalter Ostwind aufkam, der über Nacht von ca. 25 km/h, auf über 30 km/h anwuchs. Da wackelt das Spektiv und es treibt einem die Tränen in die Augen. Zumindest sang und wiegte er mich abends urig in den Schlaf. Auf den Bildern sind diese frischen Böen nicht zu sehen und so zeigen sie die eigentlich ruhige Schönheit dieses Landstrichs in ihrer reizenden Eigenheit.
Wenn Äol dann mal den Atem anhielt, hörte man die Pfeifenten, die in kleineren Trupps, aber zu großer Zahl, zur nächtlichen Rast eingeflogen kamen. Dazwischen noch ein paar Singschwäne, den laut wiehrenden Ruf des Rothalstauchers und auch den Rotschenkel und den Großen Brachvogel. Die Rufe von überfliegenden Kraichen und die eines balzenden Paares in der Ferne sind auch immer wieder unvergleichlich. Den "Himmelsziegen" war es sicher zu ungemütlich für ihre Luftakrobatik.
Am Turm im Pareyer Luch hatte es neben 3 Uferschnepfen, 1 Waldwasserläufer, Pfeif-, Krick-, Schnatter-, Löffel-, Stock- und Spießenten ebenfalls balzende Rothalstaucher und auch die ersten Knäkerpel versuchten ihre Enten mit den eigentümlich hölzern klingenden Knarrlauten zu bezirzen. Erstaunlich viele Weißwangengänse waren zugegen, ihre harten, bellenden Rufe erinnern mich symbolisch immer an die Stimme einer bösen Schwiegermutter. Bei Unruhe im Gelände gehen die Gänse und Enten in die Luft und so konnte ich einen artreinen Trupp von ca. 3200 fliegenden Weißwangengänsen gut beobachten. Weitere Tiere befanden sich in den Rastgemeinschaften von auch noch in großer Zahl anwesenden Blessgänsen. Die Saatgänse scheinen nun, bis auf wenige Exemplare, gänzlich abgezogen zu sein, jedoch konnte ich noch mindestens 2 Kurzschnabelgänse entdecken. Am Morgen des 09.04. dann auch noch diese Gans.
Am Jizz und an der Beinfärbung kann man gleich erkennen, dass es sich um eine Meeresgans (Branta) handelt. Sie hat aufgrund der braunen Gesamtfärbung sehr viel Ähnlichkeit mit einer Zwergkanadagans (Branta hutchinsii), welche m.W. erst 2004 als eigenständige Art von der größeren Kanadagans (Branta canadensis) abgegrenzt wurde. Die weißliche Stirn, die Ausdehnung des Wangenflecks, die Musterung der Flügeldecken sowie die dunkle Brust sprechen hier aber für die Beteiligung einer Weißwangengans (Branta leucopsis) als Elternteil (oder als Oma/Opa?).
Ob der gezeigte Hybrid aus der Zweisamkeit von Wildvögeln hervorgegangen ist, muß Spekulation bleiben. Am Rande dieser Beobachtung sah ich meine in diesem Jahr erste einsame und dem Post namensgebende Rauchschwalbe. Später bei Wolsier noch eine auffällige Blessgans, die in der Körper- und Flügelgefiedertönung recht dunkel erschien und einen leuchtend orangen Schnabel hatte, was auf den entfernungs- und witterungsbedigt eher schlechten Belegfotos nur ansatzweise rüberkommt. Die relativ breite, weiße Schwanzendbinde und das recht helle Hals- und Kopfgefieder deuten hier jedoch auf eine nominate albifrons und so muß ich wohl weiter auf meine erste Grönländerin in Brandenburg warten.
Link, flavirostris
Am Gülper See tummelten sich 6 immature Seeadler. 2 aus der Bande konnte ich digiskopieren und wie man sehen kann, ist der vorjährige Vogel beringt. Er entspricht phänotypisch der helleren Variante, trägt links einen silberfarbenen Ring AF18 und rechts einen goldfarbenen. Der Vogel links im Bild ist schon fast adult.
Und wenn Familie H. Schwan sich hat, dann wird einem Angst und Bange. Der Unterlegene kauerte nacher schwer k.o. auf der Wiese und konnte sich scheinbar nur noch im letzten Moment taumelnd und unheimlich erschöpft von seinem Widersacher lösen, der es zu seinem Glück leid war, nocheinmal die Verfolgung aufzunehmen.
Also, nehmen wir es uns zu Herzen - keine Gewalt und immer schön geschmeidig bleiben!

Bestens - SternaBert...

Freitag, 5. April 2013

Neues aus dem Havelland...

Hallo meine sehr geehrten Leserinnen und Leser!

Der Nordost bläst einem hier immernoch eine Eiseskälte ins Gesicht und die Nächte kommen weiter arktisch. Der verharschte Schnee taut nur langsam ab, jedoch entwickelt die liebe Sonne an geschützten Stellen schon einige Kraft. Daher tut sich so langsam etwas in der Mark. Die Weißstörche werden zahlreicher, einzelne Fischadler fliegen schon mit Nistmaterial umher, so mancher Schwarzmilan ist in der Luft und auch die Brachvögel sind z.T. schon in ihren angestammten Brutrevieren eingetroffen.
Das obere Bild zeigt ein Männchen mit dem verhältnismäßig kürzeren Schnabel, darunter das Weibchen und dann nocheinmal beide zusammen auf ihrer verschneiten Wiese. Man sollte es kaum glauben, aber Hunger zu leiden brauchen die beiden nicht. So wanderte so mancher Tauwurm in erstaunlicher Frequenz in ihren Magen.
In den überstauten Stremmewiesen und am Grützer Bogen stochern auch die ersten Bekassinentrupps nach Nahrung und die Luft ist erfüllt vom Trompeten der Singschwäne, dem typischen Kreischen der Lachmöwen und den Glissandopfiffen der Pfeifenten. Reiherenten und Schellenten balzen aufs beste und größere Ansammlungen von eher schweigsamen Tafel- und Spießenten sind zu verzeichnen. Einige Krickenten lassen ihre Laute hören und der erste einsame Knäkerpel schwamm unweit von 4,4 Zwegsägern dahin. Am Gülper See singt trotz ungemütlicher Witterung schon die Heidelerche und auf dem See wässerte neben einer männlichen Bergente und den üblichen Tauchenten auch eine intermedius-Typ Heringsmöwe.
Bei Gülpe stand ein gemischter Trupp aus ca. 550 Bless-, ca. 110 Weißwangen- und 2 Tundrasaatgänsen. Es sind sicher noch 8000 - 12000 Blässgänse im Gebiet, leider konnte ich weder einen Zwerg, noch einen Rothals entdecken. Die anderen sehen aber auch ganz possierlich aus.
Abends in den Garlitzer Wiesen dann noch ein adultes Kornweihenmännchen, der stationäre Raufußbussard, ein weibchenfarbiger Merlin und eine Sumpfohreule, die in der Dämmerung nur wenige Meter vor mir über den Weg gaukelte und sich unweit in ca. 20 m Entfernung im Gras niederließ. Leider hatte ich nur das Handglas dabei, aber für ein ordentliches Foto war es ohnehin schon zu dunkel. Freundlicherweise überließ mir W. Püschel ein Flugbild der wunderschönen Eule und eins im Schnee. Er konnte vor einigen Tagen ebenda sogar 2 Individuen sehr schön beobachten.
Zum aufwärmen noch ein steifer Grog bei Mondschein und dann ab in den Schlafsack. Nächste Woche soll es endlich milder werden.
                                                       Es grüßt der SternaBert...