Sternabert

Sternabert

Mittwoch, 9. Mai 2012

Im Herzen des Havellandes

Hello again, am 07.05. verbrachte ich einen fulminanten Abend in weiter Luchlandschaft. Als ich ruhig und einsam durch die Wiesen zog, leitete ein balzfliegender Großer Brachvogel das Spektakel ein.
Die wehmütigen Rufe wurden in flatterigem Rundflug vorgetragen und hallten durch die weite Stille. Kurze Zeit später hörte ich aus der Ferne leise, aber doch prägnante, silbrig klingende Sequenzen aus der Strophe des Blaukehlchens, die beim Näherkommen lauter wurden und schließlich zu einem satten Balzgesang des in Brandenburg noch recht selten vorkommenden Vertreters der Drosseln anschwoll. Ich nahm also Platz auf einem Baumstamm in unmittelbarer Nähe eines Grabens um dem Lied zu lauschen, als plötzlich heimlich und kaum wahrnehmbar ein Fischotter an meinem Plätzchen vorbeischwamm, in kurzem Zeitabstand gefolgt von einem Biber, welcher die selbe Strecke nahm. Die Biberfraßspuren mussten einem schon vorher ins Auge fallen. Doch was war das? Aus dem Hintergrund gelangten zwei mir bekannte, aber leider lange nicht mehr im Brandenburgischen gehörte, heisere "KII-eff"-Rufe an mein Ohr. Mensch, eine Sumpfohreule!
Ein balzrufendes, flügelklatschendes Männchen hat mich ja erst Ende März an anderer Stelle aus meinem Prinzessinenschlaf geholt. Später bot die Eule in einiger Entfernung noch einen ca. 5 min. andauernden Revierflug mit eben diesen rauhen, kläffenden "KII-eff"-Rufen und Flügelklatschen. Ich war seelig, doch ein Rebhahn in Hochzeitslaune machte die Sache für mich dann noch komplett rund. Besser, aufregender und trotzdem auf seine Art entspannend, kann´s nun wirklich nicht laufen.
Am nächsten morgen stattete ich den Großtrappen im Garlitzer Schutzgebiet einen Besuch ab und fand auch 8 Hähne in Hochstimmung sowie 4 Hennen in deren näherem Umfeld. Meine erste Wachtel in diesem Jahr begrüßte mich aus einer mit Pusteblumen übersäten Wiese und Bluthänfling, Dorngrasmücke, Braunkehlchen und Grauammer besorgten den Rest. In der Luft erkannte ich einen Turmfalken und Wiesenweihen. Letztere in Brandenburg selten, hier im Schutzgebiet mit ca. 4 Brutpaaren aber noch heimisch. Turmfalken scheinen sich zahlenmäßig, verglichen mit den letzten Jahren, wieder im Aufwind zu befinden.
Zum Abend hin zog es mich ins Wachower Lötz, wo sowohl Feld- und Rohrschwirl, als auch Teich-, Schilf- und Drosselrohrsänger für die vorherrschende Geräuschkulisse sorgten. Intermittierend kann man hier außerdem Kuckucke, Bartmeisen, Rohrammern, Zwergtaucher, Wasserrallen und 2 Große Rohrdommeln hören. Ebenfalls 2 Baumfalken befanden sich über´m Schilf auf der Jagd nach umherfliegenden Isekten.

Meine "Zielarten" Blaukehlchen und Kleines Sumpfhuhn ließen mich nicht im Stich und übertönten die anderen nach Einbruch der Dunkelheit. Unverpaarte Männchen des Kleinen Sumpfhuhnes tragen ihre einprägsame Strophe auch am hellerlichten Tag vor.

Sie erreichen, bedenkt man ihre Göße, eine erstaunliche Lautstärke und so ist ihr niedliches Bellen weithin hörbar. Der im Video singende Sumpfhahn muß sich erst noch einkalauern. Die Bildquali hat durch´s  Zusammenfalten erheblich gelitten. Ton ist natürlich auch nicht astrein - aufgenommen aus der Hand mit einer Nikon Coolpix 300...


Sonntag, 6. Mai 2012

Birdrace 2012


"Nachtschwalben" aus Pdm
Gestern war es wieder soweit, 3 Jungs aus der Potsdamer Fachgruppe Ornithologie und ich machten uns auf zum "birding Havelland". Der Startschuss fiel um 4:00 Uhr in der Frühe und die vorangegangene Nacht verlief eher unruhig und schlaflos - Nachtschwalben eben. Wir verließen also Potsdam und hakten in der morgendlichen Dämmereung, bei noch recht angenehmem Wetter unsere ersten Arten ab. In der "Döberitzer Heide" flog uns ein Wiedehopf vor die Latichte. Das war auch gut so, denn gerufen hat er nicht. Dies wiederum tat ein Wendehals und landete damit auch auf unserer Liste. Am "Langen Pfuhl" in der Nähe von Paretz entdeckte Uwe (2ter von re.) unsere erste Rarität. "Falke von links!" Der Vogel war zwischen Trauerseeschwalben, denen er im Fluge etwas ähnlich sieht, und Lachmöwen schnell gefunden. Er jagte für einige Zeit in der Luft nach Insekten und konnte dabei sehr schön von uns beobachtet und als männlicher, vorjähriger Rotfußfalke (falco vespertinus) angesprochen werden. Desweiteren registrierten wir hier u.a. ein Pärchen Braunkehlchen, Rothalstaucher, einen Knäkerpel, Flussregenpfeifer und Bruchwasserläufer. Dann fuhren wir an den Trebelsee, wo uns auch schon am Pumpenhäuschen ein Teichhuhn erwartete. Hier gibt es seit Neuestem eine recht imposante Kormorankolonie. Aus Zeitgründen haben wir die Nester aber nicht gezählt, sondern akribisch die Seeoberfläche gescannt. Bis auf die ersten Uferschwalben des Tages ohne nennenswertes Ergebnis. Dann kam der erste Regen des Tages und wir zogen weiter über Umwege Richtung Garlitz. Bei Wachow vollführte eine Haubenlerche ihren Singflug am wolkenverhangenen Himmel. Auf einem idyllischen Klinkerweg am Riewendsee kam ein rufender Baumfalke angeflogen und drehte erst kurz vor uns ab. Im Wald konnten wir dann (nur) Sommergoldhähnchen, Tannenmeise, Haubenmeise, (nur) Sumpfmeise und Hohltaube auf die Liste bringen. In Garlitz angekommen fanden wir einen voll besetzten Beobachtungsturm vor, so dass es sich besser von unten gucken und hören ließ. Hier sahen wir natürlich den "Strauß Brandenburgs" - die Großtrappe - mit einzelnen balzenden Hähnen. Wiesenweihen gaukelten durch ihr angestammtes Brutrevier und ein auffällig lange und häufig rüttelnder Bussard konnte durchs Spektiv anhand seiner Merkmale von allen Teilnehmern des Teams als Raufußbussard identifiziert werden - recht spät im Jahr, aber gut für unsere Artenliste. Mittlerweile hatte es sich deutlich abgekühlt und der Himmel öffnete immer öfter seine Schleusen, wir durstreiften unverdrossen das Luch auf der Suche nach einer mit viel Glück zu findenden Sumpfohreule. Dieses Glück blieb uns allerdings verwehrt, jedoch trafen wir auf eine albinotische Fasanenhenne, die wir mit ihrem kurzen Schwanz und bei unlauterer Spielweise gut und gerne als Moorschneehuhn im Winterkleid hätten aufschreiben können. In und um Rathenow gab es dann Dohlen, Saat- und Rabenkrähen und als wir das Nordufer des Gülper Sees erreichten goss es wie aus Eimern. Immerhin hörten wir auf dem Weg dorthin unseren ersten Ortolan und in einer kurzen schwächeren Regenphase flogen Flußseeschwalben, Zwergmöwen und eine vorjährige Steppenmöwe vorüber. Später suchten wir den See vom Turm am Südufer aus ab und entdeckten noch eine Weißbart-Seeschwalbe. Die vor einigen Tagen und natürlich von der Konkurrenz entdeckte Samtente, sowie Weißflügel-Seeschwalben entzogen sich unseren suchenden Blicken und der annähernd vogelleere See war diesmal eigentlich fast eine Pleite. Im "Pareyer Luch" gab´s dann mit Kampfläufer, Waldwasserläufer, Dunkelwasserläufer, Rot- und Grünschenkel noch ein paar Limis, jedoch versteckten sich fest eingeplante Arten wie Uferschnepfe, Bekassine und Großer Brachvogel und auch der regelmäßig anzutreffende Schwarzstorch war nicht zu finden. Ich glaub´, bei denTemperaturen fehlte ihm einfach die Thermik um sich in sein Nahrugshabitat zu schwingen. Wenigstens ließen uns meine Freunde die nordischen Gänse nicht im Stich. So gab es noch 10 Blessgänse im Luch und eine Tundrasaatgans am "Grützer Bogen", welche traurigerweise geschwächt erschien. Dann wieder Starkregen und wir brachen ins "Wachower Lötz" auf. In der Dämmerung in einer kurzen Regenpause meldeten sich dort noch Bartmeisen, 3 Kleine Sumpfhühner und 3 Blaukehlchen. Eine männliche Kleinralle sang zu unserer großen Freude nur knapp 4 Meter vor uns in der Vegetation. Tüpfelsumpfhuhn und Große Rohrommel hingegen blieben stumm. Eulensuche hatte aufgrund der Witterung keinen Zweck mehr. Gelbspötter, Gimpel, Sumpfrohrsänger und Wintergoldhähnchen blieben aufgrund der Regularien unbeachtet und so kamen wir dieses Jahr mit 139 Vogelarten (nur) auf den dritten Platz in BB und auf Platz Nr. 15 in der bundesdeutschen Gesamtwertung www.dda-web.de/index.php?cat=dda&subcat=birdrace&subsubcat=arten. Spaß gemacht hat es trotzdem und nach gut 38 Stunden Wachphase fiel ich gegen Mitternacht in einen tiefen Schlaf...

Montag, 23. April 2012

Ein paar Tage im Norden - Schweden...

Hejsan!
Heute gibt´s mal einen Bericht aus dem westlichen Smaland. Wir nahmen Mitte April Quartier am Illerasasjön, welcher von einer für diesen Teil Schwedens typischen Landschaft umgeben ist. Verwunschene, feuchte Fichtenmischwälder mit eingestreuten Hochmooren und Kahlschlägen auf hügeligem, zuweilen felsigem Grund. In der Nähe liegt der Nationalpark "Store Mosse" - großes Moor.

Im nördlichen Bereich dieses Areals liegt der Kävsjön. Ein von Wald und Moorwiesen  umgebener Flachsee, welcher gute Rast- und  Brutbedingungen für diverse Vogelarten bietet. Es balzten Singschwäne, Bekassinen und Große Brachvögel. 2 Fischadler waren auf der Jagd und auch Löffel-, Krick-, Stock- und Schnatterenten, sowie einige Reiherenten waren auf große Entfernung zu sehen. Es ist speziell die Weite, die hier besticht und auch der Beobachtungsturm ist recht gut konzipiert und bietet einen guten Überblick. Leider ist die Distanz zu unseren gefiederten Freunden so groß, dass zur sicheren Artbestimmung ein Spektiv unablässig ist. Im südlichen Teil befindet sich ein riesiges Hochmoor, das man relativ sicher (ich hatte einen Fehltritt mit nassen Folgen) auf Holzbohlen durchqueren kann.
In dieser Umgebung riefen ebenfalls Große Brachvögel, aber auch Goldregenpfeifer trugen ihr melancholisches Lied im Fluge vor.

Auf den Bildern sehen Sie jeweils ein Weibchen und ein Männchen dieser Limikolenart. Etwas später im Jahr kann man hier auch die surrealen Strophen der Zwergschnepfe vernehmen.













Früh am Morgen ist das Moor erfüllt vom Kollern der balzenden Birkhähne. Einzelne tragen ihren Gesang von der Spitze einer Moorkiefer vor. Auch in diesem Bereich des Schutzgebietes sind die Distanzen eher groß, so dass mir nur mäßige digiscopierte Bilder gelangen. Erkennen kann man die prächtigen Hähne aber...

Birkhühner kamen früher auch im Havelland vor. Sie waren im Dreetzer Luch sowie im Rhinluch anzutreffen. Die letzten wurden meines Wissens Mitte der 70er Jahre bei Garlitz beobachtet.


In den geheimnisvollen, moosigen, mit Flechten und  Beerengesträuch bewachsenen Wäldern trifft man unter anderem auf Auerhühner, Walschnepfen, Fichtenkreuzschnäbel, Erlenzeisige und Misteldrosseln. Auerhühner zeigen sich sehr scheu und sind in ihrem Tarnkleid meist nur kurz beim Auffliegen zu sehen.
Einen Balzplatz hab´ ich in der kürze der Zeit leider nicht finden können. Die Lautäußerungen der Tiere sind ohnehin nicht sehr weit zu hören, was sich durch die Beschaffenheit des Geländes sicher nicht verbessert. Dennoch kann man ab und an ihre Hinterlassenschaften finden und mit etwas Glück auch Federn, welche sich bei den vorherrschenden klimatischen Bedingungen  im Wald allerdings schnell zersetzen. Der Kiel einer schönen Schwanzfeder eines Hahnes  war schon so vermodert, dass die Feder an sich leider nicht mehr zu gebrauchen war.










links Schwungfedern eines Auerhahnes. Diese verwitterte Rupfung fand ich am Rande eines kleinen Moores namens Klomossen.

Auf unserem Haussee rief in der Dämmerung und während der Nachtstunden ein Prachttaucher.
Diese schönen Vögel sind hier ebenso heimisch wie Singschwan,
Kanadagans und Kranich. Das Kranichbild zeigt einen weiblichen Vogel, der sich gerade seinem Gatten präsentiert. Leider habe ich es versäumt, die kurz darauf folgende Kopula abzulichten. So ist es nun mal mit dem Geschick.



                        
Natürlich trifft man bei seinen ausgiebigen Streifzügen durch die Idylle auch auf Elche. Ihre Trittsiegel und Kötel sind überall zu finden. Elche sind sehr behäbige Tiere und so gelangen mir einige Bilder eines Jungtieres, welches ich beim Fressen überraschte. Als es weiterzog, stellte sich heraus, dass nur wenige Meter daneben auch seine Mutter stand. Diese hatte ich trotz ihrer Größe vorher nicht bemerkt! Also, auch Elche sind im Walde gut
getarnt...











Das war selbstverständlich nur ´ne kurze Zusammenfassung der Erlebnisse im Süden Skandinaviens. Eine Reise dorthin lohnt sich in jedem Fall - probieren Sie´s mal aus...

Samstag, 31. März 2012

Vermeintliche Gänsehybriden in der Havelniederung...

Ahoi, zur ausklingenden Gänse-Wintersaison wollte ich ihnen nocheinmal einige spezielle Gänse vorstellen. In größeren Trupps halten sich meist einzelne, sagen wir mal, "komische" Tiere auf, die etwas schwieriger zu bestimmen sind. Nun sehen sowohl Saat-, als auch Blessgänse, innerartlich individuell manchmal sehr verschieden aus. Es gibt große, kleine, dunkle, helle Individuen und auch allein schon ihre "Gesichter" können einen unterschiedlichen Ausdruck haben. Die hier gezeigten Tiere weisen phänotypisch intermediäre Merkmale auf und könnten daher Hybriden beider Spezies sein. An eine Zuordnung zu den jeweiligen Unterarten muss man bei diesen Gänsen wohl nur am Rande denken.
Die linke Gans wirkt im März, als die Fotos entstanden, auf den ersten Blick vorjährig. Sie hat eine angedeutete Blesse und auch kleine schwarze Bauchmarkierungen. Andererseits erscheint sie, im Vergleich zu den beistehenden adulten Blessgänsen, recht dunkel, hat einen relativ dickeren Hals und einen orangen Schnabel mit hellem Nagel. Ist das mit dieser geraden Rückenzeichnung und dem deutlich gefurchten Halsgefieder wirklich ein vorjähriges Tier? Die adulte rechts, auf dem zweiten Bild im Profil weist, bis auf die orange Schnabelfärbung, alle klassischen Merkmale der eurasischen Blessgansform auf. Sie hat außer dem auffälligen Schnabel auch eine ziemlich auseprägte, weit auf die Flanken reichende, schwarze Bauchzeichnung.
Orangeschnäblige A.a.albifrons sind ebenfalls in einem älteren meiner Posts zu sehen.

Diesen wahrscheinlich vorjährigen Vogel habe ich auch im März ´11 digiscopiert. Er scheint gerade noch einzelne Deckfedrn zu schieben. Vorerst bin ich von einem möglichen Kandidaten für die in Grönland vorkommende Unterart der Blessgans (A.a.flavirostris) ausgegangen. Oberseits relativ dunkel braun, Handdecken und Schirmfedern dunkel, ohne weißliche Saumzeichnung und sehr schmale weiße Schwanzendbinde. Natürlich zusätzlich die Schnabelfarbe.
Dafür erscheinen Bauch und Brust aber eigentlich zu hell und insgesamt sind, denke ich, auch eher einige Merkmale zu erkennen, die auf den Einfluss von rossicus hindeuten könnten. Dunkles Rückengefieder, tundrasaatähnliches Hals-, Schnabel-, Kopfprofil.  Der Schnabel für sich ist orange, mit noch deutlich schwarz ausgeprägtem Nagel, schwarzen Schneidekanten und angedeutetem "grinning patch". Jener Schnabelspalt erinnert, speziell bei typischen Tundrasaatgänsen, an die Lefzen von Bulldoggen.


Hier habe ich vielleicht ein Familienportrait geschossen. Das Hals-, Schnabel-, Kopfprofil geht stark in Richtung einer Saatgans. Auch die orange Schnabelfarbe und die weiß gerandeten Schirmfedern sprächen dafür. Zum anderen erinnern mich die angedeutete Blesse, der Gesichtsausdruck und die eher hell graubraune Gefiederfärbung und die grau überhauchten Handdecken auch an eine Blessgans. Ich denke, dass es sich bei dem Vogel um einen klassischen Hybrid zwischen Tundrasaat- und Eurasischer Blessgans handeln sollte.
Rechts eine ähnliche Gans.
 








Ich finde, dieses Tier, auf den 2 Bildern hier links, hat Ähnlichkeit mit einer Waldsaatgans (Anser fabalis fabalis). Sie wirkt recht filigran, mit langem Hals und ebensolchem, orangem Schnabel. Auch die Gefiederfärbung könnte passen. Allein die angedeutete Blesse, der helle Schnabelnagel und ggf. die dunkle Gefiederpartie um die Schnabelbasis, sowie die gräulichen Schulterfedern und Handdecken, indizieren hier möglicherweise den Einfluss einer Blessgans. Die Bilder sind im Februar 2011 in der Nähe von Hohennauen entstanden.








Jene Schönheit ist mir im Januar 2012 begegnet. Sie hielt sich separat in einem gemischten Trupp nordischer Gänse auf, war recht stattlich und zeigt mehrere blessganstypiche Merkmale. Aufgrund der Größe konnte es aber, nach meiner Ansicht, kein eurasischer Vertreter dieser Art sein. Nun gibt es tatsächlich noch weitere Unterarten der Blessgans, welche meines Wissens, aber noch nie sicher in Deutschland, und nur sehr spärlich, wenn überhaupt, in der WP nachgewiesen wurden. Namentlich wären das Anser albifrons frontalis,  Anser albifrons gambeli und Anser albifrons elgasi. Nach Austausch mit einigen Gänseexperten und Stellungnahme von "Locals", die 2 der genannten Unterarten gut aus ihrer Heimat kennen, dann doch wieder eher ein Hybrid. Die Gans sollte sich aufgrund einiger Gefiedermerkmale mindestens im 2. Winter befinden, oder schon älter sein. Es wurde auch ein F2 Hybrid in Betracht gezogen.



Diese 2 voneinander verschiedenen Junggänse hielten sich gemeinsam in einem kleinen Trupp von Saat- und Blessgänsen auf. Anhand der vorliegenden 2 Bilder kann ich reinrassige K2 Blessgänse nicht ausschließen,  nach meinem Gesamteinruck im Felde, aber eben auch nicht den Einfluss von Tundrasaatgans.



Auf diesen Fotos erkennen wir ebenfalls einen großen, eher fleischfarbenen Schnabel mit dunklen Schneidekanten und "grinning patch". Auch die Körpergröße war in natura, im Vergleich zu den anwesenden Blessgänsen, auffällig. Die Gans könnte nach der Form der Rückendecken und den praktich fehlenden Jugendkleidfedern und Bauchstreifen, sowie der doch schon recht stark ausgeprägten Halsriffelung, ein immaturers Individuum im 2. Winter sein.

Auch bei dem Vogel finde ich es wieder sehr schwierig. Bis auf den dunklen Schnabelspalt sehe ich hier keine Saatgans-features. Vielmehr könnte das ein sehr großer Blessganter der Nominatform, oder eben wieder eine verflogene Pazifische Blessgans aus nord-ost Sibirien sein. Eine sichere Ansprache traue ich mir bei diesem Tier, mangels Erfahrung in der Unterscheidung der Unterarten, nicht zu.




Zum Abschluss noch 2 Bilder von einem sehr dunklen Vogel, welcher kaum Zeichnung im Rückengefieder aufweist. Sprich keine hell gerandeten, dafür aber ganzflächig dunkel schokoladenbraune Schulter- und Mantelfedern besitzt. Selbst das Hals-, Brust-, und Flankengefieder erscheint einheitlich dunkel braun. Auch der Schnabel weist einen hohen Orangeanteil allerdings auch dunkel gefärbte Bereiche auf. Ich find´s wieder schwierig: Randvariation von albifronsflavirostris oder Saat- x Blessgans?


Ein interessantes Feld. Leider sind mir bis dato nur sehr wenige Auseinandersetzungen mit solchen Gänsen bekannt. Dem endsprechend finden sich auch nur einzelne Fotobelege, bzw. sichere Nachweise von Hybriden dieser beiden Taxa. Meine Ausführugen belaufen sich daher nur auf Spekulation und sollte jemand weiterführende Ideen zu diesem Thema haben - nur zu!

Dienstag, 27. März 2012

Sumpfohreule, Steinadler und Großfalke

Am 23.03. wurde ich in der Havelaue morgens von einer schönen Überraschung geweckt. In der nebelverhangenen Morgendämmerung balzte tatsächlich eine männliche Sumpfohreule!                                                                                     

www.eulen.de/eulen/soe.php
Die dumpfe Rufreihe wurde intermittierend durch das typische, trockene Flügelklatschen untermalt und bereitete mir einen guten Start in den Tag. Nach einem kleinen Snack und ´nem Kaffee ging´s dann los. Neben Enten und Gänsen waren noch 17 Singschwäne anwesend und an Watvögeln konnte ich Bekassinen, Goldregenpfeifer, Waldwasserläufer, Rotschenkel, Große Brachvögel, Kampfläufer und einen Alpenstrandläufer, welcher rufend in einem Trupp der kleinen Wiesenstörche mitflog, beobachten.  Eine Bache säugte ihre Frischlingsschar in den Wiesen und auch der Biber liess sich die Sonne auf seinen dichten Pelz scheinen.

Später dann am Turm in der Großer Graben Niederung noch ein dösender Mink in einer Astgabel am gegenüberliegenden Grabenufer (eigentlich possierliche Tierchen, die aber unter Mitwirkung von Waschbär und Marderhund unglaubliche Brutverluste bei den wiesenbrütenden Vögeln verursachen) und zusammen mit M.M. die Sichtung eines alten Bekannten: Der K2 Steinadler vom 13.03. kam von Norden ins Gebiet gerudert!

Vermutlich ist das  derselbe Vogel, der  auch letztes Jahr im Winter in Sachsen Anhalt bei Jerichow, sowie am Blankensee in der Nuthe Nieplitz Niederung beobachtet und fotografiert werden konnte. Wenn dem so ist, wurde dieser Adler 2011 nestjung in Estland beringt. Wir konnten steinadlertypische Jagdszenen, mit atemberaubenden Sturzflügen beobachten, die jedoch nur zu Unruhe unter den Wasservögeln, nicht aber zu fetter Beute führten.
Am 02.04. ist der Adler noch immer im Gebiet! Es entstanden folgende brillante Bilder: wildlifesensor.zenfolio.com/aquila_chrysaeto
Plötzlich kam noch ein Großfalke in die Szene geflogen, der sich bei gutem Licht beobachten, allerdings nicht digiscopieren ließ. Meine ersten Eindrücke waren: schwerer Falke mit recht breiten Flügeln, sehr hellem Kopf, gering ausgeprägter Kopfzeichnung und turmfalkenähnlicher Oberseitenfärbung mit bräunlichem Rückengefieder und dazu kontrastierenden dunklen Flügelspitzen sowie mit einer hellen, dunkel längsgestreiften Unterseite.
Der erste Gedanke ging dann wegen des hellen Kopfes Richtung Wanderfalke der nördlichen Unterart calidus. Nach Diskussion mit M.M. und Blick ins Buch kam für uns aber auch ein Saker/Würgfalke in die nähere Wahl.

Großfalke spec.   Foto: B. Bischof
Um die Sache noch komplizierter zu gestalten, wurde wahrscheinlich derselbe Vogel am Folgetag nocheinmal von einigen anderen Avifaunisten und mir gesichtet. Diesmal auf etwas größere Distanz und bei relativem Gegenlicht. Es entstanden auch Bilder. Nach Aussage eines mit Falken vertrauten Mitgliedes unserer Runde ein imm. Lannerfalke.



Am 24.03. dann auch mein erster Schwarzstorch in diesem Jahr, hoch in der Thermik kreisend.
Eine morgendliche Nachsuche, bezüglich Asio flammeus, blieb leider erfolglos. Wohl ein schon in Balzstimmung geratener Durchzügler, der am Vortag ja bedauerlicherweise auch vergeblich auf die kläffende Antwort seines weiblichen Pendants gewartet hatte...