Sternabert

Sternabert

Samstag, 23. Mai 2015

Fulminanter Kurztrip ins Havelland...

Asche auf mein Haupt - ich hab´ das "Bloggen" ganz schön schleifen lassen! Dafür jetzt ein Kurzbericht aus dem zu dieser Jahreszeit irgendwie am schönsten Havelland. Die "Seltenheitenjagd" begann am 19.05. am großen Beobachtungsturm in Buckow, wo ich recht rasch eine spitzflüglige Weißbürzelweihe ausmachte, die unweit des Turms ihren gaukligen Jagdflug vollführte. nach dem Blick durch´s Spektiv stellte sich schnell heraus, dass es sich um ein vorjähriges Tier handelte. Da die Unterseite sehr hell cremefarben und weitgehend ungezeichnet erschien und vor allem wegen des prominenten, sehr auffälligen, durchgängigen Kragens, läuteten sofort meine kopfinternen Alarmglocken. Schnell Checkliste abarbeiten, bevor sich die guten Beobachtungsbedingungen ändern! Im seichten Wind stehend, fielen am Unterflügel die weitgehend ungezeichneten, hell durchscheinenden Spitzen der äußeren  Handschwingen auf, auch die Spitzen der inneren Handschwingen erschienen vergleichsweise hell, so dass sich ein heller Handflügelrand kontrastierend zur rußig dunklen Armflügelunterseite abhob. Die jeweils innerste Handschwinge war mauserbedingt schon abgeworfen. Alle Merkmale in Summe bestätigten meinen Anfangsverdacht - ich hatte es mit einer vorjährigen Steppenweihe zu tun! Wie befürchtet trieb die Weihe schnurstracks nach Nordosten in Richtung Trappengehege ab, wo sie sich später zum Komfortverhalten auf einem Zaunpfahl niederließ.
Pallid Harrier, 2nd cy (19.05.2015) Buckow, Brandenburg; Germany
Pallid Harrier, 2nd cy (19.05.2015) Buckow, Brandenburg; Germany
Ich verfolgte sie natürlich erfreut durchs Fernrohr, was mir zum nächsten "Goodie" des Tages verhalf. Auf halber Strecke durflog nämlich ein dunkler, relativ kleiner Falke das Sichtfeld - für einen Baumfalken unterseits eher zu dunkel. Im Bruchteil einer Sekunde befand ich, mir diesen Vogel etwas genauer anzuschauen. So ließ ich die Weihe Steppenweihe sein und schwenkte dem Falco hinterher - von Nordost nach Südwest. Und tatsächlich, Bauch und Kopf waren, wie die Oberseite, dunkel, ohne die hellen Bauch- und Gesichtsanteile und ohne schwarze Maske, wie beim Baumfalken. Nur auf den Unterflügeln und den Schwanzseiten konnte ich eine Bänderung erkennen - sehr schön - ein vorjähriger Rotfußfalkenmann! Als dieser verschwunden war, widmete ich mich dem Versuch, Belegfotos von der inzwischen gelandten Weihe anzufertigen. Das Ergebnis ist oben zu sehen. Digiscopie von sich bewegenden Objekten geht leider immer in die Hose - schade eigentlich, hätte ich hier doch gerne ein paar Bilder vom fliegenden Vogel gezeigt... So, jetzt musste ich mir erstmal eine Zigarette rollen! Ich sah noch 2 Baumfalken und ca. 15 Großtrappen, einen adulten Wiesenweihenmann, Milane und Bussarde. Weiter ging´s, wie immer, in Richtung Gülper See. Hier gucken, da gucken, nüscht Besonderet. Abends dann zur Salzhavel bei Strodehne, wo dieses Jahr erstmals die Brut des Uhu-Paares, welches in den vergangenen Jahren schon mehrfach rufend in der Havelaue nachgewiesen werden konnte, entdeckt wurde. Die Großeulen hatten sich einen alten Bussard- oder Milanhorst als Niststätte auserkoren. Der Horst, oder besser das, was davon übrig geblieben war, war diesmal allerdings verwaist. Daher hier erst einmal ein paar Bilder aus dem zeitigen Frühjahr.
Eurasian Eagle Owl, female (27.03.2015) Strodehne, Brandenburg; Germany
Eurasian Eagle Owl, male with pulli (14.04.2015) Strodehne, Brandenburg; Germany
Auf dem ersten Foto das brütende Weibchen - Ende März, auf dem zweiten vermutlich der stolze Papa, wenn man nach Färbung und Gesichts-, Stirnzeichnung geht, mit zweien seiner Sprößlinge - Mitte April - das Weib zum Abgleich. Warum der Horst jetzt zerstört ist, entzieht sich meiner Kenntnis aber als Optimist gehe ich einmal davon aus, dass die dicken Junguhus selbigen runtergetreten haben und jetzt bereits ausgeflogen sind oder ggf. ein Waschbär - in der Hoffnung noch ein paar leckere Brocken zu finden - das Nest auseinandergepflückt hat. Andere Szenarien, an denen zweibeinige Räuber beteiligt gewesen sein könnten, möchte ich mir nicht ausmalen. Ein abendlicher Spaziergang an der Salzhavel, begleitet von einem satten Vogelkonzert erbrachte u.a. eine rufende Rohrdommel, drei mal Brutverdacht für Wacholderdrosseln an verschiedenen Stellen und eine enorme Anzahl von singenden Sumpfrohrsängern, die sich jetzt scheinbar noch im Schilf konzentrieren um sich später dann in der dichter werdenden Krautzone zu verteilen. Hier in der Dämmerung auch ein mindestens zehnminütiger Balzauftritt eines Bruchwasserläufers, der wohl seine Ankunft im angestammten Brutgebiet nicht erwarten konnte. Am nächsten Tag pendelte ich zumeist zwischen Pareyer Luch und Gülper See, immer auf der Suche nach Limikolen. im Luch nur Bekassinen, Rot- und Grünschenkel, aber auch ca. 150 Kraniche, Weißflügelseeschwalben, ein Raubwürger und zwei Schwarzstörche.
Black Stork (20.05.2015) Pareyer Luch, Brandenburg; Germany
Am Südufer des Sees sangen natürlich die Ortolane und es rief eine Wachtel. Auf dem See an sich eher übersichtlich mit 5 Knäkerpeln, ca. 10 Reiherenten, ca. 10 Schellenten, 2 Schwarzhalstauchern, einem Rothalstaucher, ca. 60 Haubentauchern, 2 Flussregenpfeifern und 2 Flussuferläufern, einem Grünschenkel, 2 Austernfischern, ca. 15 Trauer-, ca. 20 Fluss- und ca. 8 Weißflügelseeschwalben. Die von der Naturwacht eigentlich für Seeschwalben ausgebrachten Nisthilfen werden zum ganz überwiegenden Teil von ca. 140 Lachmöwen okkupiert. Dazwischen konnte ich auf große Distanz aber auch eine K3 Schwarzkopfmöwe entdecken, welche mit ihrem namengebenden schwarzen Kopf erstmal und von weitem schon wie eine adulte aussah, jedoch konnte ich beim fliegenden Vogel noch Reste von Schwarz auf den äußeren Handschwingen erkennen, was die Altersdiagnose untermauert.
Mediterranean Gull, 3rd cy (20.05.2015) Gülper See, Brandenburg; Germany
Mediterranean Gull, 3rd cy (20.05.2015) Gülper See, Brandenburg; Germany
Bei den Beobachtungsbedingungen mit leichtem Luftwabern und auf diese Entfernug läuft man allerdings spätestens nach einer halben Stunde mit einem Knipsauge rum und kommt sich so vor, wie Karl Dall sich fühlen muss. Die Tundrasaatgans, der Regenbrachvogel und die K3 Steppenmöwe auf dem Präsentierteller trugen dann allerdings erstmal wieder etwas zur Augenentspannung bei.
Tundra Bean Goose, adult (20.05.2015) Gülper See, Brandenburg; Germany
Whimbrel (20.05.2015) Gülper See, Brandenburg; Germany
Caspian Gull, 3rd cy (20.05.2015) Gülper See, Brandenburg; Germany
Der Superkracher folgte am frühen Abend des 20.05., als ich beim Scannen der Wasserfläche mitten auf dem See, bei etwas Wind, einen wuseligen, kleinen, rotbraunen Vogel zwischen den Wellen auf und ab schaukelnd entdeckte. Na klar, ein Phalarope! In solch einem satt rötlichen Prachtkleid, mit leuchtend weißer Augenmaske kommt nur eine Art infrage - ein Thorshühnchen! Bei 60-facher Vergrößerung war das Tier aufgrund der ebenmäßigen Farbgebung und der kontrastierenden Gesichtszeichnung gut und sicher als Weibchen anzusprechen und, man glaubt es kaum, wenig später wurde ich noch eines zweiten, viel unscheinbarer gefärbten Tieres gewahr, welches sich scheinbar noch im Übergangskleid befand und möglicherweise das dazugehörige Pendant gewesen sein könnte. Bei dieser Art sind die Geschlechterrollen vertauscht, wobei die Weibchen in Trupps um die Gunst der Männchen buhlen und diesen dann sowohl die Brut, als auch die Jungenaufzucht überlassen. Im Binnenland sind diese possierlichen Tierchen nur ausnahmsweise zu beobachten, verlaufen ihre Zugwege gen Norden doch eigentlich offshore auf dem Atlantik. Gerade einmal so groß wie ein Star ist die Qualität des Belegfotos, von der Mitte des Sees, natürlich den Umständen entsprechend. Immerhin kann man aus meiner Sicht jedoch die Art und selbst das Kleid  zweifelsohne erkennen!
Red Phalaropes, adult male? and adult female (20.05.2015) Gülper See, Brandenburg; Germany
Diesen Abend ließ ich beschwingt aber in Ruhe und in malerischer Umgebung mit Grillgut und zwei, drei Pilsken ausklingen, genau das hatte ich mir aber auch verdient!
Das soll erstmal wieder reichen...

Auf bald und heiter weiter - Bert...

Freitag, 20. Februar 2015

Und jährlich grüßt die flavirostris Gans...

Ahoi,
das ist ja fast schon verwunderlich! Eine Gänsetour durch´s Havelland erbrachte ein paar nette Sichtungen. Neben den üblichen Verdächtigen (Tundrasaat-, Bless-, Grau- und Weißwangengänse) machte am 17.02. eine vorjährige Rothalsgans auf der Schelpwische am Gülper See den Anfang. Der Vogel war beringt und trug rechts einen weißen, links einen aluminiumfarbenen oder ebenfalls weißen Ring (oder umgekehrt), der scheinbar mit einer Schlaufe versehen war. Nur auf dem linken Ring wurde ich eines numerischen Codes gewahr, konnte ihn jedoch leider nicht ablesen. Vermutlich ist das ein Indiz für einen Gefangenschaftsflüchtling. In 2007 wurden allerdings Rothalsgänse auf der Tajmyrhalbinsel beringt, die rechts einen weißen codierten Ring angelegt bekamen und links den Vogelwartenring. Da die Gans ob der Flügelbinden und der hellen Schwanzendbinde ja als K2 angesprochen werden kann, wird sie wohl nicht aus diesem Projekt stammen. Ob bei Züchterringen jedoch eine Telefonnummer draufsteht, oder ob die Codes verwenden - keine Ahnung.
Red-breasted Goose, immature, Schelpwische, Gülper See; Brandenburg 02.2015
Der zweite Clou war eine adulte Zwerggans am 18.02. im Päwesiner Lötz. Die dritte in einem relativ kurzen Zeitintervall und die erste in 2015. Hierbei handelte es sich um ein unberingtes adultes Individuum, welches kurze Zeit nach Entdeckung hinter einer Bodenwelle verschwand und dennoch die Güte hatte, mir durch ihre Habachtstellung zu einem Belegbild zu verhelfen. Später konnte ich sie nocheinmal, ruhend und nur selten den Kopf rausstreckend, zwischen ca. 650 Bless-, Tundrasaat- und Weißwangengänsen auf Feuchtgrünland wiederfinden. Für weitere aussagekräftige Aufnahmen waren die Bedingungen dann allerdings zu mies.
Lesser White-fronted Goose, adult, Päwesiner Lötz; Brandenburg 02.2015
Lesser White-fronted Goose, adult, Päwesiner Lötz; Brandenburg 02.2015
Und jetzt zum "Headliner" - am 18.02., haargenau ein Jahr nach meiner Sichtung der vorjährigen Grönlandblessgans, dieses Tier zwischen Bless- und einzelnen Tundrasaatgänsen.

Greenland White-fronted Goose, (sub)adult, Päwesiner Lötz; Brandenburg 18.02.2015
Greenland White-fronted Goose, (sub)adult, Päwesiner Lötz; Brandenburg 18.02.2015
Greenland White-fronted Goose, (sub)adult, Päwesiner Lötz; Brandenburg 18.02.2015
Also, wenn das kein klassischer Grönländer ist, dann schmeiß´ ich mein Spektiv ins Korn!
Vergleicht man 2 Bilder von den jeweiligen Beobachtungen, könnte man sogar ins Spekulieren kommen... Leider konnte ich die Gans am 18.02.2015 nur ruhend studieren, denn ein Trupp Rehe scheuchte die Vögel auf, noch ehe sie wenigstens einmal aufgestanden wäre.
Greenland White-fronted Goose, (sub)adult, Päwesiner Lötz; Brandenburg 18.02.2015
Greenland White-fronted Goose, 2nd cy, Havelaue Hohennauen-Grütz; Brandenburg 18.02.2014
Greenland White-fronted Goose, taken off, Päwesiner Lötz; Brandenburg 18.02.2015
Als es "klick" machte, war se schon weg...
So kann es gehen!

Bis demnächst - euer Sternabert...

P.S.  weitere Zwergganssichtungen am 25.02. und 26.02., am 2. Termin sogar ein Pärchen, anbei auch eine adulte und eine vorjährige Rothalsgans...
Lesser White-fronted Goose, adult, Päwesiner Lötz; Brandenburg 02.2015
Lesser White-fronted Geese, adult, Wachower Lötz; Brandenburg 02.2015
Red-breasted Goose, adult, Wachower Lötz; Brandenburg 02.2015
Red-breasted Geese, 1st winter, adult, Wachower Lötz; Brandenburg 02.2015

Donnerstag, 5. Februar 2015

Weiter durch Aserbaidschan...

... In Mingechevir blieb uns der Zugang zum größten Binnensee des Landes versagt, wir gingen in ein Hotel und beobachteten abends an der hoteleigenen Uferpromenade Lachmöwen und zum Schlafplatz einfliegende Steppen- und Armenienmöwen. Außerdem stiegen wir einem laut rufenden Zilpzalp hinterher um Fotos und Tonaufnahmen anzufertigen. Demnächst hier vielleicht ein Essay von unserem phylloscopus-Prof. LP. Bis dahin halte ich mich mit der Unterartbestimmung erstmal zurück.
Chiffchaff, Mingechevir; Azerbaijan 01.2015 © Lukas Pelikan
Am nächsten Morgen hier ein Rotstirngirlitz in einem gepflanzten Nadelbaum an der Promenade und ein Wintergoldhähnchen. Wir brachen nach einem Tee auf, um in einem Kiesabbaugebiet in der Nähe Armenienmöwen zu suchen. 5 adulte Tiere konnten wir auch finden, eine Fischmöwe und Krauskopfpelikane flogen ebenfalls umher. Dann fuhren wir um das östliche Ende des Mingechevir-Stausees herum, um an den Acinohur Salzsee zu gelangen. Im näheren Umfeld dieses stark zurückgegangenen Sees herrschen regelrechte Wüstenverhältnisse.
salty steppe around Acinohur-Lake; Azerbaijan 01.2015
salty steppe around Acinohur-Lake; Azerbaijan 01.2015
salty steppe around Acinohur-Lake; Azerbaijan 01.2015
In der etwas gemäßigteren Agrar- und Steppenlandschaft trafen wir auf einen größeren Trupp Kalanderlerchen. Mit von der Partie auch Haubenlerchen und Feldlerchen, nicht aber Weißflügel- oder gar Mohrenlerchen. Direkt im kargen Seeuferbereich flog eine kleine Gruppe rufender Stummellerchen nur wenige Meter an uns vorbei.
leering Azeri from Potsdam
salty steppe around Acinohur-Lake; Azerbaijan 01.2015
my friend SK and me in the Acinohur-steppe; Azerbaijan  © Steve Klasan
Auf der Weiterfahrt, durch hügliger werdende Steppe, waren am Horizont Kropfgazellen und Mönchs-, sowie Gänsegeier zu sehen. Hier auch hohe Abundanzen an Merlinen und Misteldrosseln. Sogar eine amicorum Ringdrossel ließ sich in einem Busch an einer Viehtränke hervorragend  beobachten nachdem sie rufend eingeflogen gekommen war.
Acinohur-steppe ; Azerbaijan 01.2015
Acinohur-steppe ; Azerbaijan 01.2015
amicorum Ring Ouzel, Acinohur-steppe ; Azerbaijan 01.2015 © Lukas Pelikan
shashlik and teakettle
Am Nordostufer des Mingechevir-Stausees, wo wir unsere Zelte aufschlugen und uns am Abend ein wohlschmeckendes, aber zähes Schaschlik am Feuer bereiteten, konnten wir am Morgen darauf sowohl einige Rost- und Grau-, als auch wenige Blessgänse beobachten. Ein Trupp von wahrscheinlichen Alpenstrandläufern flog ab und an in der Ferne bei flirrenden Sichtverhältnissen den Spülsaum entlang. Mehrere Schellenten und wenige Schwarzhalstaucher waren auf der Wassefläche zu sehen und einzelne Fischmöwen patroullierten durch die Lüfte. Am Qanix-Fluss, an der Grenze zu Georgien, die ersten Gimpel der Reise und ganz schöne Landschaftseindrücke.
Qanix-River; Azerbaijan  01.2015
Qanix-River; Azerbaijan  01.2015
Qanix-River; Azerbaijan  01.2015
Nach ein paar Stunden Fahrt über Lehm und Stein, während der wir immer wieder auf Merline, Drossel- und Finkentrupps trafen, saß auf einmal ein Raubwürger in unmittelbarer Nähe an der Piste. Beim Abflug konnte man große weiße Flügelfelder erkennen, welche sich weit bis auf die inneren Armschwingen ausdehnten. Oberschwanzdecken, Bürzel und Schwanzbasis erschienen recht hell, wenn auch nicht reinweiß. Dennoch denke ich, dass wir es in diesem Fall mit einem homeyeri Raubwürger zu tun hatten. Die folgende Nacht verbrachten wir bei kaltem Schmuddelwetter mit leichtem Schneeregen und der ersten brachialen Reiseunbill in Form von Emesis und Diarrhoe bei einem unserer besten Männer in einem ziemlich teuren Hotel. Nach einem opulenten Mahl tranken wir noch ein Pilsken auf unserer Kemenate und nahmen am nächsten Tag die Strecke grob nach Ost zur Kaspiküste am Besh Barmag. Hier befindet sich eine Hühnerfarm mit angeschlossener Müllkippe, wo sich gewaltige Mengen an Sturm- und Steppenmöwen ein Stelldichein geben. Aus den rund 90000 Vögeln konnten wir sowohl eine K2 Eismöwe als auch eine Silbermöwe im 3. Winter herausstechen. Letztere ein Erstnachweis für Aserbeidschan! Eine fast reinweiße Sturmmöwe flog uns auch desöfteren durchs Bild, oder stand unübersehbar zwischen den anderen auf dem Acker.
Wetlands, Besh Barmag; Azerbaijan 01.2015
Caspi coast and Besh Barmag; Azerbaijan 01.2015
Besh Barmag; Azerbaijan 01.2015 © Steve Klasan
Gulls in the air, Besh Barmag; Azerbaijan 01.2015 © Steve Klasan
brackish water beyond Caspian beach; Azerbaijan 01.2015
Glaucous Gull, 2nd cy (on the bottom left), Besh Barmag; Azerbaijan 01.2015 © Steve Klasan
Glaucous Gull, 2nd cy, Besh Barmag; Azerbaijan  01.2015 © Steve Klasan
Glaucous Gull, 2nd cy; Besh Barmag; Azerbaijan 01.2015
argentatus Herring Gull, 4th cy, Besh Barmag; Azerbaijan 01.2015 © Steve Klasan
argentatus Herring Gull, 4th cy, Besh Barmag; Azerbaijan 01.2015 © Steve Klasan
Auf der Kippe aber auch um die 30 Schwarzmilane, 205 Seeadler, einige Mönchsgeier und vereinzelt Gänsegeier. An einem blutroten Bächlein, welches direkt im Schlachthaus seinen Ursprung hatte, immer wieder Wasserrallen ziemlich offen und kleinere Trupps von dukhunensis Bachstelzen.
Black Vultures with White-tailed Eagles, Besh Barmag; Azerbaijan 01.2015
Water Rail, Besh Barmag; Azerbaijan 01.2015
Nach 2 Tagen zwischen Schafen und scharfen Hunden, schwelender Müllhalde, Brackwasser-Lagunen und tosender Kaspiküste, machten wir uns auf, um unsere Lungen zur Abwechslung einmal mit frischer Hochgebirgsluft zu füllen und um grandiose landschaftliche und auch vogelkundliche Eindrücke zu erleben. Wir fuhren über Quba in die Berge und nahmen Quartier in einer beschaulichen, innen holzvertäfelten, wohlig warmen Herrberge. Zu viert auf Stube, mit all unserem klammen Gerödel, aber immer bei bester Laune und glücklich, hier sein zu dürfen. Leckeres Abendessen und die Aussicht auf einen ganzen Tag am Gizil Gaya ließen uns spät am Abend entspannt ins Reich der Träume hinübergleiten. Gegen 8:00 Uhr starteten wir nach Xinaliq, einem alten Bergdorf am Rande der Zivilisation. von dort aus stiegen wir in die Hochgebirgsmatten, sahen penicillata Ohrenlerchen, Mauerläufer, caucasicus Wasseramseln, montana Alpenbraunellen, Alpenkrähen und auch rund 30 Alpendohlen, Gänsegeier, Chukarhühner und besonders aufregend, die schönen Kaukasuskönigshühner mit ihrer Flugakrobatik in den steilen Klippen. Besonders aktiv zeigten sich die Tiere, als 3 Steinadler über dem Felsmassiv kreisten - einfach berauschend bei herrlichem Sonnenschein.
Xinaliq, Caucasus Mountains; Azerbaijan 01.2015 © Steve Klasan
Caucasus Mountains; Azerbaijan 01.2015
Caucasus Mountains; Azerbaijan 01.2015
Caucasus Mountains; Azerbaijan 01.2015
penicillata group Horned Lark, near Xinaliq; Azerbaijan 01.2015
penicillata group Horned Lark, near Xinaliq; Azerbaijan 01.2015
Caucasus Mountains; Azerbaijan 01.2015  © Steve Klasan
me on the brick, Caucasus Mountains; Azerbaijan 01.2015
Caucasus Mountains; Azerbaijan 01.2015
farmyard near Xinaliq, Caucasus; Azerbaijan 01.2015
Gizil Gaya, Caucasus; Azerbaijan 01.2015 
mountains near Xinaliq, Caucasus; Azerbaijan 01.2015
mountains near Xinaliq, Caucasus; Azerbaijan 01.2015
In der folgenden Nacht erwischte mich die verhoffte Diarrhoe, unser Tagesziel war die russische Grenze im Norden des Landes. Mit Loperamid im Blut ging´s los. Leichter Nieselregen, viel Müll an der Route sowie auch an der Küste und zum Teil sehr verkommene, feuchte Bauten standen in krassem Kontrast zum eben noch erlebten Bergidyll. Mein sich ohnehin schon drehender Magen und mein Allgemeinzustand an sich potenzierten diese subjektiv eher unbehaglichen Gefühle noch. Nichtsdestotrotz durchsuchten wir einen in der Feldflur rastenden hunderter Trupp Goldammern nach besonders hellen Individuen und 2, 3 weibchenfarbige Vögel waren auch dabei, überzeugten ob eizelner gelblicher Nuancen an den Flanken oder im Unterflügelgefieder jedoch nicht 100%ig. Außerdem die ersten gelungenen Bilder eines Rotstirngirlitz.
Fire-fronted Serin; Azerbaijan 01.2015
Am Nachmittag erreichten wir ein Plätzchen in einem Wald, ca. 30 km von der Grenze entfernt, wo ich sogleich mein Zelt aufschlug, um mich, von Schüttelfrost geplagt, in den Schlafsack zurück zu ziehen. Hier sogleich Bunt-, Grün- und caucasicus Mittelspecht. Knappe 3 Stunden später wurden wir allerdings unter Milizaufgebot dazu genötigt, unsere nassen Zelte wieder abzubrechen und die Lichtung zu räumen - kein Erbarmen die Azen ;) Mir war es irgendwie auch recht, denn nun checkten wir, nach knapp 4 Stunden Autofahrt, bis in die Dunkelheit hinein, wieder Richtung Süden, schon eine Nacht früher in Baku im Hotel ein. Am nächsten Tag pendelte meine Wenigkeit zwischen Bett und Lokus, während die anderen die Stadt erkundeten. An der Hafen-Promenade saßen wohl einige Schwarzkopf- und Steppenmöwen zwischen hunderten Lachmöwen. Palmtäubchen, Seidenschwanz und Halsbandsittich fanden schlussendlich auch noch den Weg auf unsere Trip-Liste. Insgesamt haben wir auf unserer Tour für diese Jahreszeit erstaunliche 184 Arten gesichtet! Schön war´s jewesen!!!
Ring-necked Parakeed, Baku; Azerbaijan 01.2015
Die letzte Nacht in Aserbaidschan endete um 4:25 Uhr Ortszeit, Tabletten rein und los. Die Brandenburger Jungs hatten gegen 6:45 Uhr eingecheckt, allein es fehlten 3 Leute aus der Gruppe, welche zu allem Überfluss Schwierigkeiten mit der Staatsgewalt bekommen hatten, weil wir uns scheinbar nicht immer vorschriftsmäßig mit unseren Visa bei den örtlichen Behörden an und abgemeldet hatten. So wechselten nochmal einige hundert Euro ihre Besitzer und zu guter Letzt musste doch niemand dort bleiben, oder gar in den Knast. Nach knapp 10 Stunden Reisezeit landeten wir glücklich und zufrieden am frühen Nachmittag im guten alten Berlin Schönefeld...

 Hələlik! - der Sternabert...