Sternabert

Sternabert

Dienstag, 17. Juli 2012

Gülper See Mitte Juli

Am Gülpi fühl´ ich mich scheinbar am wohlsten. Deshalb erneut ein paar Sichtungen von dort, eine Woche nach dem kurzen Auftritt des Terekwasserläufers.
Das Wetter war, wie so oft in diesem Sommer, eher durchwachsen mit Wind, Starkregen und sonnigen Abschnitten, bei recht niedrigen Temperaturen. Die Beobachtungshütten am See bieten an solchen Tagen einen wilkommenen Unterschlupf. In einer dieser Hütten hatten das auch Wespen bemerkt und ein mittelgroßes Nest neben dem Eingang an die Decke gehängt. Sie blieben jedoch friedfertig und so konnte ich entspannt die Vögel observieren. Am Spülsaum rannten weiterhin um die 40 adulte Kampläuferhähne im Übergangskleid herum, diesmal allerdings schon in Begleitung einiger weiblicher Tiere, die kleiner sind als die Männchen und sich zu dieser Jahreszeit von diesen auch noch gut an ihren Gefiedermerkmalen unterscheiden lassen.
Links und rechts Männchen, wobei Kopf und Hals des Linken schon vollständig ins Schlichtkleid umgemausert sind. Unten 3 Hennen mit eingefügtem Hahn bezüg- lich des Größenvergleichs zu einer Graugans. Auch die Gefiederunterschiede sind zu erkennen.
Als weitere Vertreter der Limikolen hatten sich ein adulter Dunkelwasserläufer, eine diesjährige Uferschnepfe, ein adulter Alpenstrandläufer, zwei Flußuferläufer, drei adulte Grünschenkel, zwei Bruchwasserläufer sowie einige Flußregenpfeifer zur Rast, Gefiederpflege und Nahrungssuche eingefunden.
Der Dunkelwasserläufer hat einige Zeit geschlafen, aber auch ohne den langen, markanten Schnabel zu sehen, kann man ihn, anhand der Gefieder- merkmale, sicher als solchen bestimmen. Er befindet sich in der Mauser vom PK ins SK. Jungvögel kommen später im Jahr, sind gleichmäßiger braungrau gefärbt, weiß getupft, mit gebänderter Unterseite. Das untere Bild von Jungvögeln stammt aus dem August 2011.
 

Dass die Uferschnepfe, hier rechts im Bild, dieses Jahr das Licht der Welt erblickt hat, sieht man schön an der orangebeigen Hals- und Brustfärbung. Nebenan ruht immernoch unser Dunkelwasserläufer und der Kampfläufer, gut zu erkennen an den locker liegenden, schwarz, braun gezeichneten Schirmfedern, als Überreste vom Prachtkleid, gibt sich der Gefiederpflege hin. Die vermeintliche Stockente in der Bildmitte entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Erpel in SK. Kennzeichnend hierfür sind u.a. die recht stark ausgeprägte Gesichtszeichnung, der komplett gelbe Schnabel und die schwarzen Oberschwanzdecken.
Es waren auch noch andere Entenarten zugegen. Neben 3 Pfeifenten hielten sich 4 Vögel der, nach meinem Dafürhalten, grazilsten Entenart am See auf. Alle weibchenfarbig, was die Geschlechter-, bzw. Altersbesimmung, um einiges erschwert. Vorab: es sind Spießenten, die in diesem Zeitfenster in unseren Breiten nur selten und sporadisch als Brut- oder Zugvögel auftreten. Diese Tiere befinden sich in aktiver Mauser, was die Ansprache als
Jungvögel ausschließt, da jene erst im Winterquartier, ab Dezember, ihr Federkleid erneuern. Aufgrund des Größenunterschieds, der Färbung und Zeichnung der Rückendecken, Schirmfedern und Flanken, gehe ich hier von zwei adulten Enten links und einem adulten Erpel rechts im Bild aus. Dieser zeigte sich später nocheinmal separat von der Seite und bestätigte meine Vermutung durch seine blaugraue Schnabelfärbung mit schwarzen Markierungen an First, Basis und Spitze. Wie man gut erkennen kann, sind seine Hanschwingen noch nicht ausgewachsen, sprich, unter den Schirmfedern versteckt. Das lässt darauf schließen, dass sich die Enten in der Brutperiode hier aufgehalten haben, da sie in der Zeit der Schwingenmauser nicht gut und vor allem keine weiten Strecken fliegen können. Ob es ausreicht um einen Brutverdacht zu äußern bleibt offen.
Besonders gefreut hat mich ein kurzes Treffen mit einer außer der Reihe auftauchenden Tundrasaatgans. Diese stach mit ihrem dunkelbraunen Gefieder und den satt orangen Beinen aus der Masse von ungefähr 5200 Graugänsen ganz hübsch hervor. In wenigen Monaten bevölkern dann um die 100000 nordische Feldgänse den Gülper See und die angrenzenden Gebiete. Im Vorfeld taucht aber ggf. nochmal die ein oder andere seltene Limikole im schönen Havelland auf.
Es bleibt spannend...

Sonntag, 8. Juli 2012

Terekwasserläufer am Gülper See.

Ahoi, nach kleiner Pause war ich kürzlich mal wieder auf Tour. Der Gülper See bietet sich momentan als Reiseziel für Vogelbeobachter an, da er hervorragende Rastbedingungen für Limikolen und anderes Geflügel bereit hält. Die Watvögel sind für Anfang Juli schon in recht hohen Anzahlen zu beobachten. Meist handelt es sich dabei um adulte Kampfläufermännchen, Grünschenkel, Dunkelwasserläufer, Bruchwasserläufer und Flussregenpfeifer. Letztere und die vielen Kiebitze haben auch ihre Jungvögel dabei. Es gab ebenfalls einen Austernfischer, zwei Große Brachvögel, einen Sichelstrandläufer und sogar einen Terekwasserläufer (Xenus cinereus) zu sehen.


Dieser "possierliche Vogel" ließ sich am 07.07.2012 bei 60-facher Vergrößerung zwar recht gut beobachten, jedoch nur mäßig fotografieren. Schön zu erkennen waren die kurzen, gelblich-orangen Beine, die typische Haltung bei der Nahrungssuche, der auffällig nach oben gebogene Schnabel, die graue Brust sowie der dunkle Flügelbug und die dunklen "Hosenträger", die ihn als Altvogel auswiesen. In Brandenburg wohl erst der 7. oder 8. Nachweis und somit ein sehr seltener Gast, der bis dato in Deutschland vornehmlich im Mai, Juni oder Juli  beobachtet wurde. Sein Brutgebiet erstreckt sich über die boreale Zone der Zentral- und Ostpalearktis. Mit einiger Wahrscheinlichkeit könnte dieser Vogel aus Skandinavien, vom Finnischen Meerbusen, an den Gülper See gekommen sein.


3 Tage zuvor freute ich mich besonders über das Gurren eines Turteltaubers in einem kleinen Waldstück direkt am See und über eine große Brandgansfamilie mit 11 recht früh flugfähigen Jungtieren nebst Gans und Ganter. Die Ufer des Sees füllen sich nun auch nach und nach mit Graugänsen. So waren´s am 04.07. noch rund 1200 Tiere. Momentan sind schon um die 4000 Gänse vor Ort. Meine nordischen Freunde lassen noch etwas auf sich warten und werden sich wohl um den 15. September herum ein Stelldichein geben.

Schöne Grüße...


Mittwoch, 9. Mai 2012

Im Herzen des Havellandes

Hello again, am 07.05. verbrachte ich einen fulminanten Abend in weiter Luchlandschaft. Als ich ruhig und einsam durch die Wiesen zog, leitete ein balzfliegender Großer Brachvogel das Spektakel ein.
Die wehmütigen Rufe wurden in flatterigem Rundflug vorgetragen und hallten durch die weite Stille. Kurze Zeit später hörte ich aus der Ferne leise, aber doch prägnante, silbrig klingende Sequenzen aus der Strophe des Blaukehlchens, die beim Näherkommen lauter wurden und schließlich zu einem satten Balzgesang des in Brandenburg noch recht selten vorkommenden Vertreters der Drosseln anschwoll. Ich nahm also Platz auf einem Baumstamm in unmittelbarer Nähe eines Grabens um dem Lied zu lauschen, als plötzlich heimlich und kaum wahrnehmbar ein Fischotter an meinem Plätzchen vorbeischwamm, in kurzem Zeitabstand gefolgt von einem Biber, welcher die selbe Strecke nahm. Die Biberfraßspuren mussten einem schon vorher ins Auge fallen. Doch was war das? Aus dem Hintergrund gelangten zwei mir bekannte, aber leider lange nicht mehr im Brandenburgischen gehörte, heisere "KII-eff"-Rufe an mein Ohr. Mensch, eine Sumpfohreule!
Ein balzrufendes, flügelklatschendes Männchen hat mich ja erst Ende März an anderer Stelle aus meinem Prinzessinenschlaf geholt. Später bot die Eule in einiger Entfernung noch einen ca. 5 min. andauernden Revierflug mit eben diesen rauhen, kläffenden "KII-eff"-Rufen und Flügelklatschen. Ich war seelig, doch ein Rebhahn in Hochzeitslaune machte die Sache für mich dann noch komplett rund. Besser, aufregender und trotzdem auf seine Art entspannend, kann´s nun wirklich nicht laufen.
Am nächsten morgen stattete ich den Großtrappen im Garlitzer Schutzgebiet einen Besuch ab und fand auch 8 Hähne in Hochstimmung sowie 4 Hennen in deren näherem Umfeld. Meine erste Wachtel in diesem Jahr begrüßte mich aus einer mit Pusteblumen übersäten Wiese und Bluthänfling, Dorngrasmücke, Braunkehlchen und Grauammer besorgten den Rest. In der Luft erkannte ich einen Turmfalken und Wiesenweihen. Letztere in Brandenburg selten, hier im Schutzgebiet mit ca. 4 Brutpaaren aber noch heimisch. Turmfalken scheinen sich zahlenmäßig, verglichen mit den letzten Jahren, wieder im Aufwind zu befinden.
Zum Abend hin zog es mich ins Wachower Lötz, wo sowohl Feld- und Rohrschwirl, als auch Teich-, Schilf- und Drosselrohrsänger für die vorherrschende Geräuschkulisse sorgten. Intermittierend kann man hier außerdem Kuckucke, Bartmeisen, Rohrammern, Zwergtaucher, Wasserrallen und 2 Große Rohrdommeln hören. Ebenfalls 2 Baumfalken befanden sich über´m Schilf auf der Jagd nach umherfliegenden Isekten.

Meine "Zielarten" Blaukehlchen und Kleines Sumpfhuhn ließen mich nicht im Stich und übertönten die anderen nach Einbruch der Dunkelheit. Unverpaarte Männchen des Kleinen Sumpfhuhnes tragen ihre einprägsame Strophe auch am hellerlichten Tag vor.

Sie erreichen, bedenkt man ihre Göße, eine erstaunliche Lautstärke und so ist ihr niedliches Bellen weithin hörbar. Der im Video singende Sumpfhahn muß sich erst noch einkalauern. Die Bildquali hat durch´s  Zusammenfalten erheblich gelitten. Ton ist natürlich auch nicht astrein - aufgenommen aus der Hand mit einer Nikon Coolpix 300...


Sonntag, 6. Mai 2012

Birdrace 2012


"Nachtschwalben" aus Pdm
Gestern war es wieder soweit, 3 Jungs aus der Potsdamer Fachgruppe Ornithologie und ich machten uns auf zum "birding Havelland". Der Startschuss fiel um 4:00 Uhr in der Frühe und die vorangegangene Nacht verlief eher unruhig und schlaflos - Nachtschwalben eben. Wir verließen also Potsdam und hakten in der morgendlichen Dämmereung, bei noch recht angenehmem Wetter unsere ersten Arten ab. In der "Döberitzer Heide" flog uns ein Wiedehopf vor die Latichte. Das war auch gut so, denn gerufen hat er nicht. Dies wiederum tat ein Wendehals und landete damit auch auf unserer Liste. Am "Langen Pfuhl" in der Nähe von Paretz entdeckte Uwe (2ter von re.) unsere erste Rarität. "Falke von links!" Der Vogel war zwischen Trauerseeschwalben, denen er im Fluge etwas ähnlich sieht, und Lachmöwen schnell gefunden. Er jagte für einige Zeit in der Luft nach Insekten und konnte dabei sehr schön von uns beobachtet und als männlicher, vorjähriger Rotfußfalke (falco vespertinus) angesprochen werden. Desweiteren registrierten wir hier u.a. ein Pärchen Braunkehlchen, Rothalstaucher, einen Knäkerpel, Flussregenpfeifer und Bruchwasserläufer. Dann fuhren wir an den Trebelsee, wo uns auch schon am Pumpenhäuschen ein Teichhuhn erwartete. Hier gibt es seit Neuestem eine recht imposante Kormorankolonie. Aus Zeitgründen haben wir die Nester aber nicht gezählt, sondern akribisch die Seeoberfläche gescannt. Bis auf die ersten Uferschwalben des Tages ohne nennenswertes Ergebnis. Dann kam der erste Regen des Tages und wir zogen weiter über Umwege Richtung Garlitz. Bei Wachow vollführte eine Haubenlerche ihren Singflug am wolkenverhangenen Himmel. Auf einem idyllischen Klinkerweg am Riewendsee kam ein rufender Baumfalke angeflogen und drehte erst kurz vor uns ab. Im Wald konnten wir dann (nur) Sommergoldhähnchen, Tannenmeise, Haubenmeise, (nur) Sumpfmeise und Hohltaube auf die Liste bringen. In Garlitz angekommen fanden wir einen voll besetzten Beobachtungsturm vor, so dass es sich besser von unten gucken und hören ließ. Hier sahen wir natürlich den "Strauß Brandenburgs" - die Großtrappe - mit einzelnen balzenden Hähnen. Wiesenweihen gaukelten durch ihr angestammtes Brutrevier und ein auffällig lange und häufig rüttelnder Bussard konnte durchs Spektiv anhand seiner Merkmale von allen Teilnehmern des Teams als Raufußbussard identifiziert werden - recht spät im Jahr, aber gut für unsere Artenliste. Mittlerweile hatte es sich deutlich abgekühlt und der Himmel öffnete immer öfter seine Schleusen, wir durstreiften unverdrossen das Luch auf der Suche nach einer mit viel Glück zu findenden Sumpfohreule. Dieses Glück blieb uns allerdings verwehrt, jedoch trafen wir auf eine albinotische Fasanenhenne, die wir mit ihrem kurzen Schwanz und bei unlauterer Spielweise gut und gerne als Moorschneehuhn im Winterkleid hätten aufschreiben können. In und um Rathenow gab es dann Dohlen, Saat- und Rabenkrähen und als wir das Nordufer des Gülper Sees erreichten goss es wie aus Eimern. Immerhin hörten wir auf dem Weg dorthin unseren ersten Ortolan und in einer kurzen schwächeren Regenphase flogen Flußseeschwalben, Zwergmöwen und eine vorjährige Steppenmöwe vorüber. Später suchten wir den See vom Turm am Südufer aus ab und entdeckten noch eine Weißbart-Seeschwalbe. Die vor einigen Tagen und natürlich von der Konkurrenz entdeckte Samtente, sowie Weißflügel-Seeschwalben entzogen sich unseren suchenden Blicken und der annähernd vogelleere See war diesmal eigentlich fast eine Pleite. Im "Pareyer Luch" gab´s dann mit Kampfläufer, Waldwasserläufer, Dunkelwasserläufer, Rot- und Grünschenkel noch ein paar Limis, jedoch versteckten sich fest eingeplante Arten wie Uferschnepfe, Bekassine und Großer Brachvogel und auch der regelmäßig anzutreffende Schwarzstorch war nicht zu finden. Ich glaub´, bei denTemperaturen fehlte ihm einfach die Thermik um sich in sein Nahrugshabitat zu schwingen. Wenigstens ließen uns meine Freunde die nordischen Gänse nicht im Stich. So gab es noch 10 Blessgänse im Luch und eine Tundrasaatgans am "Grützer Bogen", welche traurigerweise geschwächt erschien. Dann wieder Starkregen und wir brachen ins "Wachower Lötz" auf. In der Dämmerung in einer kurzen Regenpause meldeten sich dort noch Bartmeisen, 3 Kleine Sumpfhühner und 3 Blaukehlchen. Eine männliche Kleinralle sang zu unserer großen Freude nur knapp 4 Meter vor uns in der Vegetation. Tüpfelsumpfhuhn und Große Rohrommel hingegen blieben stumm. Eulensuche hatte aufgrund der Witterung keinen Zweck mehr. Gelbspötter, Gimpel, Sumpfrohrsänger und Wintergoldhähnchen blieben aufgrund der Regularien unbeachtet und so kamen wir dieses Jahr mit 139 Vogelarten (nur) auf den dritten Platz in BB und auf Platz Nr. 15 in der bundesdeutschen Gesamtwertung www.dda-web.de/index.php?cat=dda&subcat=birdrace&subsubcat=arten. Spaß gemacht hat es trotzdem und nach gut 38 Stunden Wachphase fiel ich gegen Mitternacht in einen tiefen Schlaf...

Montag, 23. April 2012

Ein paar Tage im Norden - Schweden...

Hejsan!
Heute gibt´s mal einen Bericht aus dem westlichen Smaland. Wir nahmen Mitte April Quartier am Illerasasjön, welcher von einer für diesen Teil Schwedens typischen Landschaft umgeben ist. Verwunschene, feuchte Fichtenmischwälder mit eingestreuten Hochmooren und Kahlschlägen auf hügeligem, zuweilen felsigem Grund. In der Nähe liegt der Nationalpark "Store Mosse" - großes Moor.

Im nördlichen Bereich dieses Areals liegt der Kävsjön. Ein von Wald und Moorwiesen  umgebener Flachsee, welcher gute Rast- und  Brutbedingungen für diverse Vogelarten bietet. Es balzten Singschwäne, Bekassinen und Große Brachvögel. 2 Fischadler waren auf der Jagd und auch Löffel-, Krick-, Stock- und Schnatterenten, sowie einige Reiherenten waren auf große Entfernung zu sehen. Es ist speziell die Weite, die hier besticht und auch der Beobachtungsturm ist recht gut konzipiert und bietet einen guten Überblick. Leider ist die Distanz zu unseren gefiederten Freunden so groß, dass zur sicheren Artbestimmung ein Spektiv unablässig ist. Im südlichen Teil befindet sich ein riesiges Hochmoor, das man relativ sicher (ich hatte einen Fehltritt mit nassen Folgen) auf Holzbohlen durchqueren kann.
In dieser Umgebung riefen ebenfalls Große Brachvögel, aber auch Goldregenpfeifer trugen ihr melancholisches Lied im Fluge vor.

Auf den Bildern sehen Sie jeweils ein Weibchen und ein Männchen dieser Limikolenart. Etwas später im Jahr kann man hier auch die surrealen Strophen der Zwergschnepfe vernehmen.













Früh am Morgen ist das Moor erfüllt vom Kollern der balzenden Birkhähne. Einzelne tragen ihren Gesang von der Spitze einer Moorkiefer vor. Auch in diesem Bereich des Schutzgebietes sind die Distanzen eher groß, so dass mir nur mäßige digiscopierte Bilder gelangen. Erkennen kann man die prächtigen Hähne aber...

Birkhühner kamen früher auch im Havelland vor. Sie waren im Dreetzer Luch sowie im Rhinluch anzutreffen. Die letzten wurden meines Wissens Mitte der 70er Jahre bei Garlitz beobachtet.


In den geheimnisvollen, moosigen, mit Flechten und  Beerengesträuch bewachsenen Wäldern trifft man unter anderem auf Auerhühner, Walschnepfen, Fichtenkreuzschnäbel, Erlenzeisige und Misteldrosseln. Auerhühner zeigen sich sehr scheu und sind in ihrem Tarnkleid meist nur kurz beim Auffliegen zu sehen.
Einen Balzplatz hab´ ich in der kürze der Zeit leider nicht finden können. Die Lautäußerungen der Tiere sind ohnehin nicht sehr weit zu hören, was sich durch die Beschaffenheit des Geländes sicher nicht verbessert. Dennoch kann man ab und an ihre Hinterlassenschaften finden und mit etwas Glück auch Federn, welche sich bei den vorherrschenden klimatischen Bedingungen  im Wald allerdings schnell zersetzen. Der Kiel einer schönen Schwanzfeder eines Hahnes  war schon so vermodert, dass die Feder an sich leider nicht mehr zu gebrauchen war.










links Schwungfedern eines Auerhahnes. Diese verwitterte Rupfung fand ich am Rande eines kleinen Moores namens Klomossen.

Auf unserem Haussee rief in der Dämmerung und während der Nachtstunden ein Prachttaucher.
Diese schönen Vögel sind hier ebenso heimisch wie Singschwan,
Kanadagans und Kranich. Das Kranichbild zeigt einen weiblichen Vogel, der sich gerade seinem Gatten präsentiert. Leider habe ich es versäumt, die kurz darauf folgende Kopula abzulichten. So ist es nun mal mit dem Geschick.



                        
Natürlich trifft man bei seinen ausgiebigen Streifzügen durch die Idylle auch auf Elche. Ihre Trittsiegel und Kötel sind überall zu finden. Elche sind sehr behäbige Tiere und so gelangen mir einige Bilder eines Jungtieres, welches ich beim Fressen überraschte. Als es weiterzog, stellte sich heraus, dass nur wenige Meter daneben auch seine Mutter stand. Diese hatte ich trotz ihrer Größe vorher nicht bemerkt! Also, auch Elche sind im Walde gut
getarnt...











Das war selbstverständlich nur ´ne kurze Zusammenfassung der Erlebnisse im Süden Skandinaviens. Eine Reise dorthin lohnt sich in jedem Fall - probieren Sie´s mal aus...

Samstag, 31. März 2012

Vermeintliche Gänsehybriden in der Havelniederung...

Ahoi, zur ausklingenden Gänse-Wintersaison wollte ich ihnen nocheinmal einige spezielle Gänse vorstellen. In größeren Trupps halten sich meist einzelne, sagen wir mal, "komische" Tiere auf, die etwas schwieriger zu bestimmen sind. Nun sehen sowohl Saat-, als auch Blessgänse, innerartlich individuell manchmal sehr verschieden aus. Es gibt große, kleine, dunkle, helle Individuen und auch allein schon ihre "Gesichter" können einen unterschiedlichen Ausdruck haben. Die hier gezeigten Tiere weisen phänotypisch intermediäre Merkmale auf und könnten daher Hybriden beider Spezies sein. An eine Zuordnung zu den jeweiligen Unterarten muss man bei diesen Gänsen wohl nur am Rande denken.
Die linke Gans wirkt im März, als die Fotos entstanden, auf den ersten Blick vorjährig. Sie hat eine angedeutete Blesse und auch kleine schwarze Bauchmarkierungen. Andererseits erscheint sie, im Vergleich zu den beistehenden adulten Blessgänsen, recht dunkel, hat einen relativ dickeren Hals und einen orangen Schnabel mit hellem Nagel. Ist das mit dieser geraden Rückenzeichnung und dem deutlich gefurchten Halsgefieder wirklich ein vorjähriges Tier? Die adulte rechts, auf dem zweiten Bild im Profil weist, bis auf die orange Schnabelfärbung, alle klassischen Merkmale der eurasischen Blessgansform auf. Sie hat außer dem auffälligen Schnabel auch eine ziemlich auseprägte, weit auf die Flanken reichende, schwarze Bauchzeichnung.
Orangeschnäblige A.a.albifrons sind ebenfalls in einem älteren meiner Posts zu sehen.

Diesen wahrscheinlich vorjährigen Vogel habe ich auch im März ´11 digiscopiert. Er scheint gerade noch einzelne Deckfedrn zu schieben. Vorerst bin ich von einem möglichen Kandidaten für die in Grönland vorkommende Unterart der Blessgans (A.a.flavirostris) ausgegangen. Oberseits relativ dunkel braun, Handdecken und Schirmfedern dunkel, ohne weißliche Saumzeichnung und sehr schmale weiße Schwanzendbinde. Natürlich zusätzlich die Schnabelfarbe.
Dafür erscheinen Bauch und Brust aber eigentlich zu hell und insgesamt sind, denke ich, auch eher einige Merkmale zu erkennen, die auf den Einfluss von rossicus hindeuten könnten. Dunkles Rückengefieder, tundrasaatähnliches Hals-, Schnabel-, Kopfprofil.  Der Schnabel für sich ist orange, mit noch deutlich schwarz ausgeprägtem Nagel, schwarzen Schneidekanten und angedeutetem "grinning patch". Jener Schnabelspalt erinnert, speziell bei typischen Tundrasaatgänsen, an die Lefzen von Bulldoggen.


Hier habe ich vielleicht ein Familienportrait geschossen. Das Hals-, Schnabel-, Kopfprofil geht stark in Richtung einer Saatgans. Auch die orange Schnabelfarbe und die weiß gerandeten Schirmfedern sprächen dafür. Zum anderen erinnern mich die angedeutete Blesse, der Gesichtsausdruck und die eher hell graubraune Gefiederfärbung und die grau überhauchten Handdecken auch an eine Blessgans. Ich denke, dass es sich bei dem Vogel um einen klassischen Hybrid zwischen Tundrasaat- und Eurasischer Blessgans handeln sollte.
Rechts eine ähnliche Gans.
 








Ich finde, dieses Tier, auf den 2 Bildern hier links, hat Ähnlichkeit mit einer Waldsaatgans (Anser fabalis fabalis). Sie wirkt recht filigran, mit langem Hals und ebensolchem, orangem Schnabel. Auch die Gefiederfärbung könnte passen. Allein die angedeutete Blesse, der helle Schnabelnagel und ggf. die dunkle Gefiederpartie um die Schnabelbasis, sowie die gräulichen Schulterfedern und Handdecken, indizieren hier möglicherweise den Einfluss einer Blessgans. Die Bilder sind im Februar 2011 in der Nähe von Hohennauen entstanden.








Jene Schönheit ist mir im Januar 2012 begegnet. Sie hielt sich separat in einem gemischten Trupp nordischer Gänse auf, war recht stattlich und zeigt mehrere blessganstypiche Merkmale. Aufgrund der Größe konnte es aber, nach meiner Ansicht, kein eurasischer Vertreter dieser Art sein. Nun gibt es tatsächlich noch weitere Unterarten der Blessgans, welche meines Wissens, aber noch nie sicher in Deutschland, und nur sehr spärlich, wenn überhaupt, in der WP nachgewiesen wurden. Namentlich wären das Anser albifrons frontalis,  Anser albifrons gambeli und Anser albifrons elgasi. Nach Austausch mit einigen Gänseexperten und Stellungnahme von "Locals", die 2 der genannten Unterarten gut aus ihrer Heimat kennen, dann doch wieder eher ein Hybrid. Die Gans sollte sich aufgrund einiger Gefiedermerkmale mindestens im 2. Winter befinden, oder schon älter sein. Es wurde auch ein F2 Hybrid in Betracht gezogen.



Diese 2 voneinander verschiedenen Junggänse hielten sich gemeinsam in einem kleinen Trupp von Saat- und Blessgänsen auf. Anhand der vorliegenden 2 Bilder kann ich reinrassige K2 Blessgänse nicht ausschließen,  nach meinem Gesamteinruck im Felde, aber eben auch nicht den Einfluss von Tundrasaatgans.



Auf diesen Fotos erkennen wir ebenfalls einen großen, eher fleischfarbenen Schnabel mit dunklen Schneidekanten und "grinning patch". Auch die Körpergröße war in natura, im Vergleich zu den anwesenden Blessgänsen, auffällig. Die Gans könnte nach der Form der Rückendecken und den praktich fehlenden Jugendkleidfedern und Bauchstreifen, sowie der doch schon recht stark ausgeprägten Halsriffelung, ein immaturers Individuum im 2. Winter sein.

Auch bei dem Vogel finde ich es wieder sehr schwierig. Bis auf den dunklen Schnabelspalt sehe ich hier keine Saatgans-features. Vielmehr könnte das ein sehr großer Blessganter der Nominatform, oder eben wieder eine verflogene Pazifische Blessgans aus nord-ost Sibirien sein. Eine sichere Ansprache traue ich mir bei diesem Tier, mangels Erfahrung in der Unterscheidung der Unterarten, nicht zu.




Zum Abschluss noch 2 Bilder von einem sehr dunklen Vogel, welcher kaum Zeichnung im Rückengefieder aufweist. Sprich keine hell gerandeten, dafür aber ganzflächig dunkel schokoladenbraune Schulter- und Mantelfedern besitzt. Selbst das Hals-, Brust-, und Flankengefieder erscheint einheitlich dunkel braun. Auch der Schnabel weist einen hohen Orangeanteil allerdings auch dunkel gefärbte Bereiche auf. Ich find´s wieder schwierig: Randvariation von albifrons,  flavirostris oder Saat- x Blessgans?


Ein interessantes Feld. Leider sind mir bis dato nur sehr wenige Auseinandersetzungen mit solchen Gänsen bekannt. Dem endsprechend finden sich auch nur einzelne Fotobelege, bzw. sichere Nachweise von Hybriden dieser beiden Taxa. Meine Ausführugen belaufen sich daher nur auf Spekulation und sollte jemand weiterführende Ideen zu diesem Thema haben - nur zu!