Sternabert

Sternabert

Montag, 9. Juni 2014

Birding Bulgaria (1)...

Эдрасти liebe Leute!
Es ist zumeist sehr erheiternd und lehrreich mit mehreren überaus guten und interessierten Leuten fremde Regionen zu bereisen, um sich ein Bild von der dortigen Avifauna zu verschaffen. So geschehen vom 25.05. bis 02.06. in diesem Jahr, zusammen mit meinen Freunden LP, SK, KS und MJ. Unser Ziel war Bulgarien, wo wir auf unserer knapp 2000 km langen Rundreise in einem gemieteten Kleinbus verschiedene Landschaftstypen erkundeten, unglaublich nette, liebenswerte Menschen trafen, einige Abenteuer zu bestehen hatten und genau 199 Vogelarten sehen, hören und bestimmen konnten.Wenn man von Sofia aus gen Osten zum Schwarzen Meer aufbricht, fährt man die überwiegende Strecke durch eine recht vielschichtige Agrarlandschaft mit kleinen Feldern, Weinstöcken, naturbelassenen Feldrainen mit Walnussbäumen und verschiedenem Buschwerk. Am Horizont erblickt das Auge hügliges, bergiges Land, welches zumeist mit Eichen und Buchen bestanden ist. Dazwischen immer wieder größere, mit duftenden Kräutern durchsetzte Trockenrasen- und Brachflächen.
Hier verwundert es nicht, dass verschiedene Greifvogelarten in der Termik kreisen und nach fetter Beute Ausschau halten. Namentlich waren das auf unserer Tour in den Tieflagen Wespenbussard (Pernis apivorus), nur 1 adulter Seeadler (Haliaeetus albicilla), Schlangenadler (Circaetus gallicus), Rohrweihe (Circus aeruginosus), Wiesenweihe (Circus pygargus), Sperber (Accipiter nisus), leider kein sicherer Kurzfangsperber (Accipiter brevipes), Habicht (Accipiter gentilis), Mäusebussard (Buteo buteo), Falkenbussard (Buteo buteo vulpinus), Adlerbussard (Buteo rufinus), Schreiadler (Aquila pomarina), Kaiseradler (Aquila heliaca), Zwergadler (Aquila pennata), Turmfalke (Falco tinnunculus) und Baumfalke (Falco subbuteo). In den gebirgigen Gegenden kamen noch Schmutzgeier (Neophron percnopterus), Gänsegeier (Gyps fulvus), Steinadler (Aquila chrysaetos) und Wanderfalke (Falco peregrinus) dazu. Einer von den Schmutzgeiern ließ sich etwas länger beobachten und auch ablichten, ansonsten sind sie eher scheu und nur auf große Distanz zu sehen, wie auch ihre Verwandten, die Gänsegeier.
Egyptian Vulture, adult (eastern Rhopodes; Bulgaria)
Griffon Vulture, immature (eastern Rhopodes; Bulgaria)
Die erste Nacht verbrachten wir an einem Stausee in der Nähe von Koprinka, wo Ortolane (Emberiza hortulana), Kappen- (Emberiza melanocephala) und Grauammern (Miliaria calandra) sangen, Wiedehopfe (Upupa epops) riefen und die filigranen, hübschen Turteltauben (Streptopelia turtur) ihr im Havelland leider nur noch sehr selten zu hörendes Liedchen gurrten. Der erste Trupp von ca. 60 Mittelmeermöwen (Larus michahellis) schraubte sich über uns vor einer Gewitterfront in die Höhe und als des Nächtens wieder Ruhe eingekehrt war, gab es eine Paradevorstellung eines Ziegenmelkers (Caprimulgus europaeus) in unserem Camp mit obligatem Flügelklatschen und "Ansitzschnurren" direkt in der Kiefer neben dem Zelt. Von Ferne her juchzte ein Steinkauz (Athene noctua).
Am nächsten Morgen nutzten wir unsere Zeit um eine futuristisch anmutende Bauruine aus der Zeit des real existierenden Sozialismus in Augenschein zu nehmen. Diese wurde seinerzeit auf einer Hügelkuppe errichtet und bietet nun beste Brutbedingungen für Mehlschwalbe (Delichon urbicum), Rötelschwalbe (Cecropis daurica), Mauersegler (Apus apus), Fahlsegler (Apus pallidus), Dohle (Corvus monedula), Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros), Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe), Bachstelze (Motacilla alba) und sogar Gebirgsstelze (Motacilla cinerea). Im näheren Umfeld ließen Braunkehlchen (Saxicola rubetra), Baumpieper (Anthus trivialis), Heidelerche (Lullula arborea), Misteldrossel (Turdus viscivorus), Gimpel (Pyrrhula pyrrhula) und Zilpzalp (Phylloscopus collybita) ihre Strophen erklingen.
Buzludzha Monument
Im Inneren dieses Betongiganten erwartete uns ein beeindruckendes Panoramamosaik und eine unglaubliche, fast unheimliche Akustik direkt unter Hammer und Sichel, sowie ein freier Rundumblick auf Land und Wetter.
Weiter ging´s Richtung Küste, vorbei am ersten Weißstorchnest, in dem sich Weiden- (Passer hispaniolensis) und Haussperlinge (Passer domesticus) zur Untermiete eingenistet hatten. Zweitere nur mit einzelnen wenigen Individuen. Am Rande von einigen Dörfern auf dem Weg, jedoch sichtlich abgekapselt, haben sich Sinti und Roma in windschiefen mit Schilf oder Wellblech gedeckten Backsteinhütten nieder gelassen. Für den einen pittoresk, ich fand es eher erbärmlich, bedauernswert. Einige Familien scheinen ihr Dasein sogar nur unter mit Folie abgedeckten Holzgestellen fristen zu müssen.
Spanish Sparrows
Küstennah dann der erste Rotkopfwürger (Lanius senator). Diese schönen Vögel besiedeln in Bulgarien einige Landstriche in bemerkenswerter Dichte und wechseln sich in dieser Hinsicht mehr oder minder mit dem Neuntöter (Lanius collurio) ab.
Woodchat Shrike, less white at wing
Auf trockenem, locker mit Büschen und Bäumen bestandenem Weideland direkt an der Steilküste des Schwarzen Meeres brüten allerhand Singvogelarten. Hier bot es sich, so dachten wir, auch an, unsere Zelte aufzuschlagen. Leider bekam man die Heringe nur mit äußerster Mühe in den harten, lehmigen Boden und als das letzte Licht entgültig verloschen war, wurden wir zu allem Überfluss und zumindest ich mit Angstschweiß auf der Stirn, von drei Bluthunden verbellt, die scheinbar die nahegelegene militärische Radarstation beschützen sollten, wohl einzelne Löcher im Stacheldrahtzaun kannten und sich für eine gute Stunde in 2 m Abstand um´s Zelt aufgestellt hatten, der direkt vor dem Moskitonetz, offensichtlich irgendein kupierter Kangal-Mix. Als dieser Zauber ein Ende hatte, rief mich wie zum Trost eine Zwergohreule (Otus scops) in den Schlaf und groß war die Freude, als ich am nächsten Morgen den Sonnenaufgang doch noch erblicken durfte.
SK and me, LP as lightning engineer (Emona; Bulgaria)
Waldi passt auf...
Sunrise (Emona; Bulgaria)
Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria), Dorngrasmücke (Sylvia communis), Klappergrasmücke (Sylvia curruca) und die helläugige östlichen Orpheusgrasmücke, heute als Nachtigallengrasmücke (Sylvia crassirostris) von der westlichen Orpheusgrasmücke (Sylvia hortensis) abgegrenzt, finden hier ein optimales Habitat. Auch Olivenspötter (Hippolais olivetorum) und  der eigentlich allgegenwärtige Blassspötter (Hippolais pallida) sind zu hören und mit etwas Geduld auch zu sehen. Brachpieper (Anthus campestris), Steinschmätzer, Balkansteinschmätzer (Oenanthe hispanica melanoleuca) und Isabellsteinschmätzer (Oenanthe isabellina) hüpfen auf dem Boden umher oder begeben sich auf expositionierte Warten. Von solchen aus singen auch Masken- und Grauammer. Beim "Seawatching" kann man mit etwas Erfahrung Schmarotzerraubmöwen (Stercorarius parasiticus) und Mittelmeer-Sturmtaucher (Puffinus yelkouan) entdecken. Delfine, Höckerschwäne, Mittelmeermöwen und Brandseeschwalben (Sterna sandvicensis) ließen sich allerdings einfacher bestimmen, ebenso ca. 60 Rosenstare (Sturnus roseus), die in drei Trupps landeinwärts überflogen.
Lighthouse and high coast (Emona; Bulgaria)
Eastern Orphean Warbler, male (Emona; Bulgaria)
Black-faced Bunting, male (Emona; Bulgaria)
Northern Wheater, male (Emona; Bulgaria)
Tawny Pipit, male (Emona; Bulgaria)
Auf der Weiterfahrt zu den Salinen bei Pomorie in einem Gehölz in hügligem Gelände an einer kleinen Brücke in der Nähe von Irakli, rief noch mindestens ein Balkanlaubsänger (Phylloscopus orientalis), der östliche Verwandte des Berglaubsängers (Phylloscopus bonelli). Visuell unterscheidet sich dieser durch auffällige, blass weißliche Flügelfelder, welche durch die hellen Ränder der Schirmfedern und Großen Armdecken gebildet werden. Beim Berglaubsänger sind selbige satt gelblich-grün.

Fortsetzung folgt...

Mittwoch, 14. Mai 2014

Eisheilige...

An den Mai

Regenguss am Gülper See
Schäm dich Gesell! Kein Sonnenschein?                 
Und du stellst dich als Mai hier ein?
Du bist der rechte Tröster nicht!
Wer mag dein garstig Angesicht
Noch länger sehn? Geh reisen!
Schon reift dein Bruder uns heran,
Der Juni, der wird unser Mann,
Und wird sich hold erweisen.

Sieh da! Ein blanker Sonnenstrahl!
So bist du doch nicht ganz entherzt
Und lächelst auch einmal?
Doch lieber Freund, es ist verscherzt!
Das ist kein Mai, der sich bedenkt
Und tropfenweise sich verschenkt,
Ein Mai muß aus dem Vollen fließen,
Wir müssen ihn wie Wein geniessen
Und wie in seligem Rausche sein,
Pack ein!

Gustav Falke

Mit diesem Maienlied auf den Lippen, wobei ich in meiner küstlerischen Freiheit "Wein" mit "Bier" ersetzte, fuhr ich am Montag in die Havelaue. Bei der abendlichen Ankunft am Gülper See setzte, als wenn es bei der ohnehin schon sehr unbeständigen Witterung so sein müsste, ein längerer, ergiebiger Regenschauer ein. Ich zog mein Nässezeug über, packte mein Bündel und spazierte bis in die tiefe Nacht selig durch´s Gelände. Misteldrosseln (Turdus viscivorus), Singdrosseln (Turdus philomelos) und Nachtigallen (Luscinia megarhynchos) lösten das eintönige leise Rauschen ab, als der Himmel des nächtens seine Schleusen wieder verschloss. Im Hintergrund Grillengezirpe. Ein junger Rothirsch (Cervus elaphus) zog nur knapp 10 Meter an mir vorüber, nachdem ich mich zum Schutz vor Wind und Wetter für ein Weilchen unter eine schief gewachsene Kiefer gekauert hatte. Ein Dachs (Meles meles) hatte seinen Kopf so tief in die Erde gesteckt, dass er mein Näherkommen gar nicht bemerkte. Später trottete er in die Dunkelheit davon. Im Pareyer Luch kann man im Mai, bei kaltem Wetter und bedecktem Himmel, mit etwas Geduld auch einige Limikolenarten beobachten. Ohne Spektiv und bei Sonnenschein und dem damit einhergehenden Luftflimmern, dürfte sich diese Übung jedenfalls als eher schwierig bis unmöglich erweisen. Es gab also Kiebitze (Vanellus vanellus), Kiebitzregenpfeifer (Pluvialis squatarola), Grünschenkel (Tringa nebularia), Rotschenkel (Tringa totanus), Dunkelwasserläufer (Tringa erythropus), Bruchwasserläufer (Tringa glareola), Alpen- (Calidris alpina) und Temminckstrandläufer (Calidris temminckii), Flussregenpfeifer (Charadrius dubius) und Bekassinen (Gallinago gallinago) vor die Linse, Große Brachvögel (Numenius arquata) und Waldwasserläufer (Tringa ochropus) nur akustisch. Einige Zwergmöwen (Hydrocoloeus minutus) hielten sich in einer größeren Lachmöwenansammlung auf und 7 Weißflügelseeschwalben (Chlidonias leucopterus) durchflogen das Gebiet von Ost nach West. Bei den Zwergmöwen handelte es sich ausnahmslos um immature, also unausgefärbte Tiere.
Little Gull 2nd cy (13.05.2014; Pareyer Luch, Germany)
2 Little Gulls 2nd cy variably "hooded" (13.05.2014; Pareyer Luch, Germany)
Little Gull 2nd cy (13.05.2014; Pareyer Luch, Germany)
White-winged Tern (13.05.2014; Pareyer Luch, Germany)
White-winged Tern (13.05.2014; Pareyer Luch, Germany)
Ein prächtiger Kiebitzregenpfeifer ist immer eine Augenweide. Im Felde natürlich ungemein herrlicher, als auf den mäßigen Belegfotos durch´s Spektiv. Auch in natura gestaltet es sich auf große Entfernungen nicht gerade sonderlich einfach, einen kleinen sumpfbraunen Temminckstrandläufer ausfindig zu machen. Zumal jene gerade einmal kohlmeisengroßen Vögel bei der Nahrungssuche, Mäusen gleich, gerne zwischen der aufgrünenden Vegetation umher huschen, man kann es fast kriechen nennen. Dieser hier hielt sich zeitweise mit seinem eindrücklich größeren und insgesamt viel auffälligeren Artgenossen aus der Regenpfeiferfamilie.
Grey Plover and Temminck´s Stint (13.05.2014; Pareyer Luch, Germany)
Grey Plover and Temminck´s Stint (13.05.2014; Pareyer Luch, Germany)
 Temminck´s Stint (13.05.2014; Pareyer Luch, Germany)
Neben singenden Braunkehlchen (Saxicola rubetra), Feldlerchen (Alauda arvensis), Rohrammern (Emberiza schoeniclus) und Teich- (Acrocephalus scirpaceus), Drossel- (Acrocephalus arundinaceus) und Schilfrohrsängern (Acrocephalus schoenobaenus), flogen auch einige Wiesenschafstelzen (Motacilla flava) umher. Eine auf dem Zug etwas seltener, aber regelmäßig im Havelland auftretende Schafstelzenart ist die im hohen Norden brütende dunkelköpfige Thunbergschafstelze (Motacilla thunbergi). Ein solches Männchen fing sich auf einer Schlickfläche ein paar Insekten. Als ich den Fotoapperat an die Okularlinse bekam, war es allerdings leider schon wieder verschwunden. Die Nomenklatur der Schafstelzen ist seit einiger Zeit weit gefächert, in neueren Bestimmungsbüchern wird das Thema jedoch zumeist anschaulich auseinandergesetzt. Beeindruckend fand ich dieses mal vor allem die sehr hohe Dichte an singenden Ortolanmännchen (Emberiza hortulana). Auch den (Warn)ruf der bunten Ammer konnte ich aufnehmen. An fast jedem mit Eichen gesäumten Getreidefeld sind zur Zeit die blechern klingenden Strophen von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang zu hören. Der Vollmond erscheint und kündigt eine kalte Nacht an...
Eichengehölz bei Prietzen
...Zeit für einen Grog...

Mittwoch, 9. April 2014

1. Winter Grönlandblessgans...

Aluu, liebe Leute!

"Ob ein solches junges Tier, in Anbetracht der Variationsbreite von Anser albifrons albifrons, sicher einer Unterart zuzuordnen ist, bleibt jedoch für mich ersteinmal fraglich. Vielleicht fühlt sich ja jemand sattelfest in der Materie und kann mich bezüglich dieses Vogels, via Kommentar, erhellen." So schrieb ich in meinem Eintrag vom 19.02. Zwischenzeitlich hatte ich E-mail-Kontakt mit einigen flavirostris-Spezialisten, die mir eine ID der Gans als Grönlandblässgans (Anser albifrons flavirostris) bestätigt haben. Als Hauptbestimmungsmerkmale anhand der Fotos wurde vor allem auf die Kopf- und Halsfärbung, die Schnabelstruktur (länger, schlanker, mit breiter Basis), die etwas dunklere Körperfärbung und die generelle Größe und Statur hingewiesen. Die Altersbestimmung stand ja im Vorfeld schon fest. Für mich als Gänsefreund eine ungemein aufregende Sichtung. Leider wurden in den Hauptüberwinterungsgebieten, nach Erhebungen der Greenland Whitefronted Goose Study Group in 2012/13, nur etwas mehr als 22000 Individuen festgestellt, was die Seltenheit und Schützenswertigkeit dieser Subspezies verdeutlicht.
Zur Anschauung nochmal ein paar Bilder von der Gans aus der Havelniederung...
1. Größe, Körperstatur, Schnabel-, Gefiederfärbung...
Greenland White-fronted Goose, 1st winter (18.02.2014; Havelaue-Brandenburg Germany)
2. Schnabelprofil, -färbung, Kopffärbung mit ausgedehnt dunkler Befiederung an der Schnabelbasis, gelblicher Lidring...
Greenland White-fronted Goose, 1st winter (18.02.2014; Havelaue-Brandenburg Germany)
3. Portrait...
Greenland White-fronted Goose, 1st winter (18.02.2014; Havelaue-Brandenburg Germany)
4. etwas dunklerer Gesamteindruck, schmale, weiße Schwanzendbinde ( auch bei jungen albifrons nicht selten), Körpergröße...
Greenland White-fronted Goose, 1st winter (18.02.2014; Havelaue-Brandenburg Germany)
5. Schnabelbasis, -färbung, heller Nagel, Kopf-, Halsfärbung, "massiger" Körper...
Greenland White-fronted Goose, 1st winter (18.02.2014; Havelaue-Brandenburg Germany)
Die Gänse sind nun wieder abgezogen, vereinzelt sieht man noch zurückgebliebene geschwächte oder angeschossene Tiere, die den Anschluss auf dem Flug in die Brutreviere verpasst haben. Dafür sind die ersten Rauchschwalben (Hirundo rustica) im Havelland angekommen und auch einzelne Klappergrasmücken (Sylvia curruca) machen schon lautstark auf sich aufmerksam. Im Wachower Lötz am 07.04. mein erstes Tüpfelsumpfhuhn (Porzana porzana) in 2014 und ein überfliegender, rufender Regenbrachvogel (Numenius phaeopus).

Gruß - Bert...

Donnerstag, 13. März 2014

Goldregenpfeifer, Kurzschnäbel und andere Schönheiten...

Drei Tage im Havelland bei Kaiserwetter erbrachten zwar keine Kracher, jedoch einige schöne Sichtungen - zeitweilig in hervorragender Gesellschaft. Gleich am Sonntag 5 Kurzschnabelgänse (Anser brachyrhynchus) in einem Trupp von ca. 480 Tundrasaatgänsen (Anser fabalis rossicus) auf einem umgebrochenen Acker hinter Hohennauen. Der dort ansässige echt nette Bauer hatte zwar Bedenken, dass sie seine Aussaat vertilgen könnten, ließ sie dennoch gewähren - Hut ab! Beachte die breite weiße Schwanzendbinde des Vogels mit geneigtem Kopf auf dem ersten Bild.
5 Pink-footed Geese (09.03.14; Hohennauen-Brandenburg, Germany)
5 Pink-footed Geese (09.03.14; Hohennauen-Brandenburg, Germany)
Es hatten sich auch wieder mindestens zwei, scheinbar skandinavische Waldsaatgänse (Anser fabalis fabalis) unter ihre, in der Tundra brütenden Artgenossen gemogelt. Der vermutliche Ganter saß da, verschlief die meiste Zeit und lugte nur ab und an mal hervor. Ich gehe stark davon aus, dass es dieselben Vögel waren, die ich schon am 18.02. in der Nähe angetroffen hatte. Nachdem die Gänse nach kurzer Unruhe abgeflogen, umgehend jedoch wieder unweit gelandet waren, konnte ich auch das Weibchen, auf der zweiten Aufnahme in der hinteren Reihe, Mitte links, ziemlich sicher ansprechen.
Taiga Bean Goose presumed male (09.03.14; Hohennauen-Brandenburg, Germany)
Taiga Bean Geese, presumed male and female (in the background concentric left) (09.03.14; Hohennauen-Brandenburg, Germany)
Am Folgetag waren die Kurzschnabelgänse noch vor Ort, außerdem diese, in der Überschrift schon angekündigte zimtfarbene, wahrscheinlich wieder von weiter ostwärts stammende Schönheit, mit leicht rosafarbener Schnabelzeichnung. Vor einiger Zeit wurde noch bei sogenannten Sushkin (neglectus)- und Buturlin (carneirostris)-Gänsen die Schnabel- und/oder Beinfarbe als art-, bzw. unterartkennzeichnendes Merkmal angesehen. Neuere Forschungsergebnisse haben allerdings gezeigt, dass dem nicht so ist, diese Populationen existieren praktisch nicht. Vielmehr wird heute von Farbvariationen in den jeweiligen Tundra- oder Waldsaatgansbeständen gesprochen.
 probable "carneirostris"-type Eastern Tundra Bean Goose (serrirostris?) (10.03.14; Hohennauen-Brandenburg, Germany)
 probable "carneirostris"-type Eastern Tundra Bean Goose (serrirostris?) (10.03.14; Hohennauen-Brandenburg, Germany)
Am Dienstag, beim morgendlichen Kaffee im Pareyer Luch, flog ein weibchenfarbener Merlin (Falco columbarius), parallel zum Plattenweg, niedrig über Grünland, direkt an mir vorbei, um kurze Zeit später hinter einer Bodenwelle zu verschwinden. Leider konnte ich den möglicherweise dort gelandeten Vogel weder mit dem Glas, noch mit dem Spektiv wiederfinden. Dafür hab´ ich mir am Wasserkessel gehörig den Daumen verbrannt. Kurz vor Rübehorst rasteten an einer Ackerblänke ungefähr 820 Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria). Auch zwischen denen hatte sich jemand mit leuchtend orangen Beinen versteckt, mein erster Kampfläufer (Phylimachus pugnax) in diesem Jahr. Neuere Erkenntnisse haben wohl ergeben, dass manche Männchen dieser Art zur Brutsaison nicht ihr typisches Prachtkleid anlegen, dann also wie Weibchen gefärbt durch den Sommer gehen bzw. fliegen. Bei allein stehenden Vögeln, bei denen man die Körpergröße nur schwer einschätzen kann, ist also zu gegebener Zeit etwas Vorsicht bei der Geschlechterbestimmung angebracht. Von den Äckern ringsum, stiegen immer wieder größere Gruppen von Goldis, Kiebitzen (Vanellus vanellus) und Staren (Sturnus vulgaris) auf. Insgesamt waren es schätzungsweise 2220 Goldregenpfeifer, von denen ich später einen großen Teil auf einem Acker, an der Hauptstraße von Rhinow nach Strodehne gelegen, durchmustern konnte. Dabei fiel mir, wie schon damals an den Angermünder Fischteichen, ein vergleichsweise recht helles Individuum auf. Haltung, Körperproportionen und Handschwingenprojektion lassen hier meines Erachtens aber erneut nur eine Bestimmung als europäischer Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria) zu.
European Golden Plover, pale individual  (11.03.14; Rhinow-Brandenburg, Germany)
European Golden Plover, pale individual (11.03.14; Rhinow-Brandenburg, Germany)
Erst eine, dann zwei Dohlen (Corvus monedula) inspizerten einen potenziellen Brutplatz in Rhinow.
European Jackdaw (11.03.14; Rhinow-Brandenburg, Germany)
European Jackdaws, pair? (11.03.14; Rhinow-Brandenburg, Germany)
Leuchtend weiß und eher unpassend gefärbt, zieht man die doch schon frühlingshaft anmutende Umgebung in Betracht, kam auch dieser Geselle daher. Der treibt da schon länger sein Unwesen, wühlt, sichert und fängt zuweilen mal eine fette Wühlmaus. Als ich ihn das erste mal sah, rannte er gerade, extrem auffällig und im gestreckten Galopp, durch sein Revier. Ein Kurzschwanzwiesel (Mustela erminea), auch Hermelin genannt.
Stoat, winter-plumage (11.03.14; Rübehorst-Brandenburg, Germany)
Stoat, winter-plumage (11.03.14; Rübehorst-Brandenburg, Germany)
Bei einer Nachtwanderung durch einen mit kleinen Hochmooren durchsetzten Mischwaldabschnitt bei Linde konnte ich zum "Schnepfenstrich" mehrere Waldschnepfen (Scolopax rusticola) fliegen sehen und "puixen" und "knorren" hören. Stockenten (Anas platyrhynchos) quakten beim Liebesflug im Zwielicht und von Ferne her erscholl der Paar-Ruf von zwei Kranichen (Grus grus). Eulen gab es keine - hatte ich doch insgeheim endlich mal auf einen rufenden Raufußkauz (Aegolius funereus) in dem relativ gut strukturrierten Bestand gehofft - aber eine Rotte Wildschweine, die entspannt grunzend und den Waldboden durchwühlend an mir vorbei trottete. Am Gülper See und im Wachower Lötz rief schon die Rohrdommel (Botaurus stellaris) und auf dem Trebelsee schwammen 7, zum Teil "wiehernde" Rothalstaucher (Podiceps grisegena). Dort hinter´m Deich, auf den überschwemmten Wiesen, stand auch eine für das Gebiet recht beachtliche Anzahl von 210 Weißwangengänsen (Branta leucopsis) in einem größeren Trupp von eurasischen Blessgänsen (Anser albifrons albifrons). Die vermutlich letzte Chance auf die Sichtung einer Zwerggans in diesem Winter erbrachte wie schon gewohnt leider keinen Treffer. Drei Sonnenuntergänge zum Ausklang - Nr. 1 mit Biberburg...
Pareyer Luch - Großer Graben
Gülper See - Feldflur, Südufer
Gülper Havel - Nadelwehr
...herzliche Grüße - Bert...

Donnerstag, 6. März 2014

Meine Freunde...

In der Havelaue bieten sich momentan gute Gänsebeobachtungsbedingungen. Es sind schätzungsweise um die 16500 bis 19000, vornehmlich Blessgänse (Anser albifrons) im Gebiet. Eine artreine Ansammlung von ca. 2620 Weißwangengänsen (Branta leucopsis), konnte ich am 04.03. in den Wiesen südlich von Gülpe beobachten. Insgesamt sind sicher mehr als 5500 Nonnengänse in der Havelaue unterwegs. In fast jedem größeren Blessganstrupp kann man einzelne, bis hin zu hunderten, entdecken. Um die 600 Tundrasaatgänse (Anser fabalis rossicus) stehen vereinzelt in kleineren Rastguppen im Grünland. Zwei vermutlich aus eher östlich, denn skandinavisch gelegenen Gefilden stammende Waldsaatgänse (Anser fabalis fabalis [johanseni?]) grasten, mit hängenden Flügeln, abseits eines Tundrasaatganstrupps und flogen dann, typisch sonor, fagottartig rufend, gemeinsam ab. Scheinbar ein Paar, denn es war ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus, sprich, Größenunterschied zu erkennen. Der Status von johanseni - Waldsaatgänsen ist meines Wissens umstritten, sie sollen, im Gegensatz zu fabalis, einen größeren schwarzen Schnabel mit oranger "Zigarrenbinde" haben, was bei den beiden imposanten Vögeln so auch zutraf, und ihr Verbreitungsgebiet soll sich von den Wäldern des Uralgebietes, ostwärts bis zu denen am Baikalsee erstrecken. Einige Spezialisten negieren die Existenz der von Delacour beschriebenen Unterart und rechnen auch die Vögel aus diesem östichen Verbreitungsgebiet zu A. f. fabalis.
Taiga Bean Geese (A. f. fabalis [johanseni - type?]) adult (05.03.14; Gülpe-Brandenburg, Germany), pair feeding
Taiga Bean Goose (A. f. fabalis [johanseni - type?]) adult, male (05.03.14; Gülpe-Brandenburg, Germany)
Unter ungefähr 410 Tundrasaatgänsen bei Gülpe war auch noch eine adulte Kurzschnabelgans (Anser brachyrhynchus) ausfindig zu machen, von der mir ein paar schöne Aufnahmen gelungen sind. Das sollte in den drei Tagen, vom 03.03. bis 05.03., allerdings meine einzige Sichtung eines Vogels dieser Art gewesen sein. Kürzlich wurde wohl eine in Spitzbergen, mit weißem Fußring, gekennzeichnete brachyrhynchus in Sachsen festgestellt - ganz bemerkenswert!
Pink-footed Goose adult (05.03.14; Gülpe-Brandenburg, Germany)
Pink-footed Goose adult (05.03.14; Gülpe-Brandenburg, Germany)
Besonders auffällig fand ich einzelne, wie auf dem zweiten Kurzschnabelbild im Vordergrund abgebildete, sehr hell zimt-/cappuccino-farbene Saatgänse, die regelrecht zwischen den anderen hervorleuchteten und großköpfig, großschnäblig wirkten. Einige von denen wiesen einen beachtlichen "grinning patch" auf. Ähnliche Vögel hatte ich im März 2011 schoneinmal, in kleiner Zahl, bei Päwesin beobachtet und fotografisch verhaftet. Hier auf dem ersten Bild, zum Vergleich, ein schönes Exemplar von damals bei Sonnenschein, wodurch die tatsächliche Gefiederfarbe eindrücklich dokumentiert ist.
probable Eastern Tundra  Bean Goose (serrirostris?)  (09.03.2011; Päwesin-Brandenburg, Germany)
 probable Eastern Tundra Bean Goose (serrirostris?) adult (05.03.14; Gülpe-Brandenburg, Germany)
 probable Eastern Tundra Bean Goose (serrirostris?) adult (05.03.14; Gülpe-Brandenburg, Germany)
 probable Eastern Tundra Bean Geese (serrirostris?) adult (05.03.14; Gülpe-Brandenburg, Germany)
Western Tundra  Bean Geese (rossicus) (left), probable Eastern Tundra Bean Goose (serrirostris?)  (05.03.14; Gülpe-Brandenburg, Germany)
Leider hatten wir letzthin am Amur nicht die Möglichkeit, die dort durchziehende und in der nordostsibirischen Tundra brütende Unterart der Tundrasaatgans (serrirostris) - diese kam mir nämlich spontan in den Sinn - in ausreichender Weise zu studieren. Farblich und vom Jizz her, waren bei den ca. 10 bis 15 locker zusammen stehenden Vögeln,  insbesondere auch live seinerzeit in Päwesin und jetzt in Gülpe, für mich allerdings signifikante Unterschiede im Vergleich zu den umstehenden rossicus zu erkennen, die anhand der Aufnahmen, denke ich, auch annähernd nachvollziehbar sind. Ein Vergleichsbild eines fliegenden Vogels vom Amur (leider stark gecroppt), aus der Hand von Steve Klasan.
Eastern Tundra Bean Goose (serrirostris), flight (06.10.13) (Muraviovka Park-Amur region, Russian Far East)
Ob das nun serrirostris sein könnten, oder ob sie in die Variation von rossicus passen, kann ich wiedereinmal nicht mit Bestimmtheit sagen. Ein unzweifelhafter Bless x Saatganshybrid stand, scheinbar zusammen mit seiner Familie, auf einem Acker nahe Strodehne.
Hybrid Goose albifrons x rossicus (05.03.2014; Strodehne-Brandenburg, Germany)
Hybrid Goose albifrons x rossicus (05.03.2014; Strodehne-Brandenburg, Germany)
Zwei fehlfarbene eurasische Blessgänse (anser albifrons albifrons) rasteten in der Nähe von Wolsier in den Wiesen. Bei derjenigen mit dem weißen Brustschild sind lustiger Weise nur die rechten beiden äußeren Handschwingen ebenfalls weiß gefärbt. Die andere hat mehr Weiß in den Flügeln, ist sonst jedoch ziemlich unauffällig.
Greater White-fronted Geese (04.03.2014; Wolsier-Brandenburg, Germany), missing colours
Greater White-fronted Goose (04.03.2014; Wolsier-Brandenburg, Germany), missing colours
Flock of Twites (04.03.2014; Pareyer Luch-Brandenburg, Germany)
Am Heuweg, im Pareyer Luch, gab es am 04.03. 62 Berghänflinge (Carduelis flavirostris) in einer Weide, zeitgleich wurden ein Stück entfernt wohl 70 Individuen in einer Pappel beobachtet. Morgens zeigte sich am selben Tag ein adulter Silberreiher (Ardea alba) im Prachtkleid mit roten Tibiae und dunklem Schnabel bei vollem Balzgehabe mit abgespreizten Schmuckfedern. Eine schöne Erscheinung - hatte ich so vorher noch nicht gesehen. Die oder der Verehrte allerdings noch mit gelbem Schnabel und dunklen Beinen, außerdem eher "unterkühlt" wirkend. Nach der Sichtung einer fliegenden Rothalsgans (Branta ruficollis), in einem Trupp durch zwei Mäusebussarde (Buteo buteo) aufgescheuchter Bless- und Weißwangengänse, trat ich dann am 05.03., gegen späten Nachmittag hin, die Heimreise an.

Bis demnächst...