endlich mal wieder Zeit, mit meinem Freund SK ins herbstliche Havelland zu fahren - Gänse gucken, den einen oder anderen "Goodie" dingfest machen, abends am Lagerfeuer sitzen, palabern und einen Grog trinken - das Gemütliche bei akustischer Untermalung durch Bless- und Saatgansgejohle und das melodische Trompeten einiger Kraniche. Gleich zu Beginn der Tour standen unweit von Roskow einige 100 Tundrasaat- und Blessgänse, sowie Grüppchen von Graugänsen, auf feuchtem Acker mit Maisstoppeln. Gleich in den ersten Reihen konnten wir eine einzelne Waldsaatgans entdecken - nach kurzer Weile flog der Trupp dann bei Störung auf und verschwand ins umliegende Gelände. Den im Herbst leider recht zeitigen Sonnenuntergang im Hinterkopf entschlossen wir uns, jetzt Strecke zu machen und fuhren ohne größere Stopps ins Pareyer Luch, wo uns direkt bei der Einfahrt der nächste Gänsetrupp erwartete - hier vornehmlich Blessgänse - untergemischt einzelne Weißwangen. Als wir angehalten, die Optik in Stellung gebracht und angefangen hatten die Gänse zu mustern, hielt SK plötzlich inne und bemerkte recht überzeugt: "da ruft doch ein Tristis". Ich schob mir Mütze und Kapuze vom Kopf, lauschte eine Weile und Tatsache, nicht weit links vom Damm im Brennnessel-, Schilf- und Weidengebüsch ertönte der diagnostische, flachfrequente, zum Ende hin nicht ansteigende "hiit"-Ruf eines Taiga-Zilpzalps.
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Sonagramm-Vergleich: Taiga-Zilpzalp (links) © Steve Klasan Mitschnitt siehe unten © Steve Klasan |
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Taiga-Zilpzalp, beachte kurze HSP, fahle Färbung Kleingefieder und Großgefiederränder © Steve Klasan |
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Taiga-Zilpzalp © Steve Klasan |
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Taiga-Zilpzalp © Steve Klasan |
Über die Freude und bei schwindendem Licht machten wir Feierabend, erreichten frohen Mutes unseren Lagerplatz, machten ein Feuer und stießen mit einem leckeren Erfrischungsgetränk an. Nebenher sorgten wir für ein zünftiges Mal aus Gegrilltem und Gesottenem, anbei saure Tomaten und Gurken, frisches Brot und Knoblauch.
Die Nacht wurde recht kühl und die Sonne war schon aufgegangen, als wir am nächsten Tag zum Turm am Gülper See aufbrachen, um dort einen Kaffee zu nehmen und Enten zu zählen. Zwerg- und Gänsesäger schwammen im westlichen Ausläufer des Sees und es waren auch um die 30 Großmöwen anwesend, letztere konnten wir jedoch ganz überwiegend nur auf erhebliche Distanz, fliegend oder auf dem Wasser schwimmend beobachten. Gegen Mittag statteten wir dem Taiga-Zilp nochmal einen Besuch ab und wendeten uns folgend dem Gebiet nördlich des Sees zu, um weitere Gänse-Trupps zu finden. Tatsächlich sah es hier in dieser Beziehung recht mau aus, jedoch trafen wir in der Feldflur unter anderem auf größere Gruppen von Grau- und Goldammern, immer wieder überfliegende Birkenzeisige, Berg- und Wiesenpieper sowie einzelne Fichtenkreuzschnäbel.
Der Vorstoß zum Nachtlager an der Salzhavel entpuppte sich als recht abenteuerlich, da sowohl die Wiesen, als auch die Fahrspuren aufgrund der herbstlichen Regengüsse und des hohen Wasserstands der Havel schon ziemlich aufgeweicht, morastig waren. Dennoch gelangten wir ohne uns festzumachen zu einem beschaulichen Spot am Rande von Brandenburg, direkt an der Wolkenfront...
Bussard an der Wolkenfront |
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Bussard an der Wolkenfront © Steve Klasan |
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Blick über die Salzhavel © Steve Klasan |
Es waren in einiger Entfernung nur noch kleine Enten- und Gänsetrupps sowie ein paar Möwen auszumachen und ein Schwarm Kiebitze befand sich in der Luft. Wie weit der Großteil der Gänse nach SA hinein geflogen war, muss offen bleiben, denn in der näheren Umgebung konnten wir ausschließlich kleinere Trupps ausmachen. Also fuhren wir zurück zum Gülper See um nochmal drüber zu leuchten - nebenher gab´s auch noch ein Heißgetränk und ein paar Reste vom Vorabend.
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Gülper See "Garage" © Steve Klasan |
Es grüßt einmal mehr der Sternabert...
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