In der Feldflur um den Gülper See herum ist momentan nicht viel los, sieht man einmal von Merlinen, Drossel- und ordentlichem Kleinvogelzug ab. Das Bild direkt am See wechselt hingegen ständig. Zuweilen muss man kleinere Vögel am Südufer zwischen den gedrängt stehenden Graugänsen herauspicken, dann wieder überwiegen die Tundrasaatgänse im östlichen, bzw. nordöstlichen Teil, ohne Graugänse, mit dann hervorragendem Blick auf den Spülsaum des Südufers. Nicht nur Sandregenpfeifer, Alpen- und Zwergstrandläufer, Kampfläufer und ein Knutt, sondern eben auch die Möwen auf der Landzunge vor dem großen Turm sind in diesen Zeitintervallen gut zu beobachten. Ich habe mal ein paar Bilder von Vögeln zusammengestellt, bei denen sich für mich die Bestimmung als etwas schwierig darstellt, welche zumindest für mein Empfinden aus dem gängigen Rahmen mal mehr, mal weniger herausstechen. Da wäre als erstes diese zierliche, mutmaßliche Steppenmöwe, die auf dem ersten Foto von links in die Szene geschwommen kommt. Man beachte die ausgeprägte Federboa, die scheinbar relativ dunkel getönten Rückenfedern (Kodak 9) und die strukturellen Unterschiede im direkten Vergleich.
Caspian Gull / Heuglin´s Gull / Steppe Gull??? (06.10.´14) Gülper See, Brandenburg, Germany |
Nicht das selbe, aber ein ähnlich gefärbtes Tier ist dann wohl doch eine Silbermöwe, allerdings im zweiten Kalenderjahr, sprich, zweiter Winter, in der Mauser etwas verzögert. Die sieht fast genauso aus wie unsere mutmaßliche Mittelmeermöwe, hat aber schon ganz überwiegend zweite Generation MAD und im Mantelgefieder sind zusätzlich Federn der dritten Generationzu erkennen. Auch die Schirmfederzeichnung spräche für K2, allerdings wirken das recht dunkel anmutende Kleingefieder sowie der sehr dunkle Schnabel eher wie K1. Bei dieser Möwe würden vielleicht einige auch für die Hybrid-Theorie in die Bresche springen. Schaut sie euch an
Auf dem zweiten Bild steht ein weiterer komischer Vogel in der linken Ecke, von dem ich noch ein paar mehr Ablichtungen angefertigt habe. Auf den ersten Blick wirkt diese Möwe, so zierlich und bunt, mit kontrstierend dunklen Schirmfedern und schwarzen, langen Handschwingen mit sehr kleinen hellen Apikalflecken, der dunklen Augenmaske sowie den schon hellen Iriden wie ein in der Mauser schon etwas weiter fortgeschrittenes Mittelmeermöwenweibchen im zweiten Kalenderjahr. Schaut man sich allerdings den spitzen sehr feinen Schnabel und die langgezogene, schlanke, kleinköpfige Gestalt an, will das aus meiner Sicht nicht so recht passen. Larus maximus spec.?
Den feingliedrigsten Körperbau kann man bei den Großmöwen ohne Weiteres der Baltischen Heringsmöwe zusprechen. Und tatsächlich, am 07.10. rastete ein schönes adultes langflügliges Tier unmittelbar vorm Turm am Südufer. Die Mantelfärbung bei Heringsmöwen der verschiedenen Unterarten variiert beträchtlich. Die größte Bandbreite von Grautönen, weist meines Wissens die intermedius Heringsmöwe auf. Individuen dieser Unterart kommen aber in der Regel kurzflügliger, plumper und großschnäbliger einher, weshalb ich den K1 Vogel, ebenfalls am See aufhältig, am ehesten für ein solches halten würde. Eine Heringsmöwe ist es in jedem Fall - Bestimmungs- /Bilderbuchmäßig, noch fast im vollständigen Jugendkleid!
Zur Entspannung noch ein Suchbild und ein stolzer Tundrasaatganter mit wunderschöner Schnabelzeichnung und gleich 3 halbstarken Jungtieren, denn natürlich sollen gleichfalls die Gänse ihre Berechtigung in diesem Post bekommen.
Am 06.10. flogen in der Dämmerung rund 7400 Kraniche ein und wenn ich beim noch merklich späteren Einflug der nordischen Gänse einen kühlen Kopf bewahrt habe, so hatte ich es mit 65-70000 nordischen Gänsen zu tun, die vornehmlich aus Richtung Norden und Osten in dichten Ketten hereingeschwebt kamen.
Heiter weiter - Bert...